Das Geheimnis der Freisetzung innerer Energien – psychologische Gesetzmäßigkeiten des Denkens und Handelns

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Zehn psychologische Gesetzmäßigkeiten des Denken und Handelns

  1. Vorstellungen führen zu Verhaltensweisen und körperlichen Reaktionen, die den Vorstellungen selbst entsprechen

STELLEN Sie, sich VOR, Sie haben morgen eine schwere und wichtige Prüfung zu bestehen: Was passiert?

Sie bekommen Angst, zumindest ein gewisses “Lampenfieber”. Und wie äußert sich das? Der Puls schlägt schneller, der Atem geht schwerer; Sie beginnen zu schwitzen, werden insgesamt von einer gewissen Unruhe erfasst und können womöglich nur schlecht schlafen.

Allein die VORSTELLUNG also kann zu entsprechenden körperlichen Reaktionen führen. Man nennt diese Reaktionen auch “psychosomatische Reaktionen” (soma = Körper). Die Psychosomatik ist ein Teilgebiet der medizinisch-psychologischen Forschung, bei der die Beziehungen zwischen körperlichen und psychischen Erscheinungen untersucht werden.

Ein ganz anderes Gebiet, auf dem diese Gesetzmäßigkeit Anwendung findet, ist die Werbung. Mit Hilfe der Werbung werden bestimmten Produkten bestimmte VORSTELLUNGEN zugeordnet, die zum Kauf des Produktes führen sollen:

Da sitzt z.B. ein junges, hübsches Mädchen im Cafe. Es freut sich auf den Freund – auf Zärtlichkeit, Zuneigung, auf Liebe und das vollkommene Glück… der ersehnte Begrüßungskuss… Doch: Aus der Traum, aus die VORSTELLUNG … Mundgeruch … Abstoßung … Nicht-Erfüllung der Wünsche, der Vorstellungen … Die Lösung: “… bringt sympathischen Atem…”! Die Szene beginnt von vorn … diesmal mit Happy-End.

Nicht schlagkräftige Argumente für die Qualität des Produktes sollen bei diesem und ähnlichen Werbespots zum Kauf veranlassen, sondern VORSTELLUNGEN von Gefühlen des Glücks, des Geliebtwerdens. Die VORSTELLUNG, durch den Kauf des Produktes “glücklicher” zu werden, ist angenehm; sie erfolgt UNBEWUSST und wird durch ständige Wiederholung verstärkt.

Selbst der kritische Betrachter wird sich eines Tages fragen: “Vielleicht sollte ich es doch einmal ausprobieren?” Und er wird dabei vielleicht denken: “Vielleicht werden dann auch meine (geheimen) Wünsche wahr…” Damit hat die Werbung ihr Ziel erreicht.

Oder anders ausgedrückt: DIE (im Werbespot bewusst erzeugten) VORSTELLUNGEN (vom “Glücklich-Sein”) FÜHREN (unbewusst) ZU VERHALTENSWEISEN (Kauf des Produktes), DIE DIESEN VORSTELLUNGEN ENTSPRECHEN.

  1. Körperhaltungen, Tätigkeiten und Bewegungen führen zu entsprechenden Vorstellungen

Sicher haben Sie schon des öfteren Kinder beobachtet, die im Spaß bzw. Spiel ihre Kräfte messen. Wie schnell kann daraus Ernst werden…

Probieren Sie es selbst einmal aus: Richten Sie sich auf. Kopf hoch – Brust raus. Arm nach vorne, Zeigefinger gestreckt. Und nun schimpfen und schreien Sie. Gestikulieren Sie heftig. Was passiert? Sicher entsteht auch in Ihnen die VORSTELLUNG, dass Sie sehr wütend sind; dass jemand vor Ihnen steht, auf den Sie wütend sind. Plötzlich sind Sie tatsächlich wütend. Warum?

  1. Vorstellungen lösen Gefühle aus, die den Vorstellungen entsprechen

Bestimmt haben auch Sie sich schon VORGESTELLT, gerade im Moment z. B. auf einer Südseeinsel zu sein, am Strand zu liegen, zuzusehen, wie sich die Palmen leicht im Wind wiegen und die Wellen des Meeres sanft gegen das Ufer klatschen… Welch ein angenehmes GEFÜHL einen doch dabei überkommt! Sonne, Sand und Meer- ein GEFÜHL der Entspannung, der Wonne, der Zufriedenheit und des Glücklich-Seins.

Umgekehrt: STELLEN Sie sich VOR, Sie werden zu Ihrem Chef zitiert, weil Ihnen bei der Arbeit ein gravierender Fehler unterlaufen ist: Sofort werden Sie GEFÜHLE des Unbehagens, der Beklemmung, der Angst verspüren.

Dieses Phänomen ist sehr eng mit der ersten Gesetzmäßigkeit verbunden. Denn: GEFÜHLE KÖNNEN wiederum ENTSPRECHENDEVERHALTENSWEISEN ODER KÖRPERLICHE REAKTIONEN AUSLÖSEN.

  1. Gefühle führen zur Auslösung und Verstärkung von Vorstellungen, die den Gefühlen entsprechen

Diese Gesetzmäßigkeit ist genau die Umkehrung dessen, was unter 3. gesagt wurde. Sie sehen also, dass sich psychologische Gesetzmäßigkeiten zwar zunächst im einzelnen darstellen, im Endeffekt aber nicht voneinander trennen lassen. Auch die Gesetzmäßigkeiten 1 und 2 sind eng mit den Gesetzmäßigkeiten 3 und 4 verbunden.

Es handelt sich um eine Art Prozess-Kreislauf, bei dem die einzelnen Faktoren in einer gegenseitigen Wechselbeziehung stehen. Wir können uns dies schematisch folgendermaßen vorstellen:

Körperliche Reaktionen – Verhaltensweisen

Vorstellung

Gefühle

VORSTELLUNGEN LÖSEN KÖRPERLICHE REAKTIONEN BZW. VERHALTENSWEISEN AUS. UND UMGEKEHRT.

VORSTELLUNGEN LÖSEN GEFÜHLE AUS. UND UMGEKEHRT.

GEFÜHLE LÖSEN KÖRPERLICHE REAKTIONEN BZW. VERHALTENSWEISEN AUS. UND UMGEKEHRT.

Dieser kreislaufförmige Prozess der Wechselwirkungen kann nun zu Verstärkungen der einzelnen Faktoren führen:

Wenn Sie sich z.B. VORSTELLEN, Sie werden plötzlich schwerkrank, dann können sich GEFÜHLE der Angst vor Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder gar Tod einstellen, die von entsprechenden KÖRPERLICHEN REAKTIONEN (wie schnellerer Puls, Schweißausbruch, kalte Hände etc.) begleitet werden. Da Sie sich nun tatsächlich schlechter) FÜHLEN, können sowohl die VORSTELLUNG, tatsächlich krank zu werden, wie auch die negativen GEFÜHLE verstärkt werden. Was wiederum zu einer weiteren Verschlechterung des momentanen KÖRPERLICHEN BEFINDENS führen kann, usw.

Sie können sich also in eine Situation hineinsteigern, die real gar nicht existiert. Wie können Sie aus diesem ‘Teufelskreis” ausbrechen?

  1. BEOBACHTEN SIE SICH SELBST!

Beobachten Sie Ihre VORSTELLUNGEN, Ihr VERHALTEN, Ihre GEFÜHLE. Tun Sie dies AUFMERKSAM und WERTFREI. Nehmen Sie sich selbst wahr, und zwar so, wie Sie gerade in dem Moment in einer bestimmten Situation sind. Aber: “Wie geht das?”, werden Sie fragen.

Versuchen Sie einmal, sich sozusagen NEBEN SICH zu STELLEN: Welche VORSTELLUNGEN und welche GEFÜHLE haben Sie gerade? Wie VERHALTEN Sie sich? Und: LASSEN Sie Ihre VORSTELLUNGEN und GEFÜHLE auch ZU! Ihre WIRKLICHEN VORSTELLUNGEN und Ihre WIRKLICHEN GEFÜHLE! (Nicht die, die Sie vielleicht gerne hätten!)
Betrügen Sie sich nicht selbst! Sonst werden Sie sich nie so kennenlernen, wie Sie wirklich sind!

  1. ENTDECKEN SIE DAS, WAS “ABLÄUFT”!

Nehmen Sie das vorhin besprochene Schema zur Hand und stellen Sie ihm Ihre (Selbst)Beobachtungen gegenüber:

WELCHE VORSTELLUNGEN führen zu WELCHEN KÖRPERLICHEN REAKTIONEN bzw. VERHALTENSWEISEN? Und umgekehrt?

WELCHE VORSTELLUNGEN führen zu WELCHEN GEFÜHLEN? Und umgekehrt?

WELCHE GEFÜHLE führen zu WELCHEN KÖRPERLICHEN REAKTIONEN bzw. VERHALTENSWEISEN? Und umgekehrt?

Auf diese Weise können Sie an sich selbst das Zusammenwirken der ersten vier psychologischen Gesetzmäßigkeiten wahrnehmen und erkennen.

Denn: Das ERKENNEN ist der erste (und wichtigste) Schritt zu einer möglichen Veränderung. Nur was Ihnen BEWUSST ist, können Sie auch BEWUSST BEEINFLUSSEN und gegebenenfalls VERÄNDERN!

MERKE:

UM MIR MEINER SELBST, D.H. MEINER VORSTELLUNGEN, MEINER GEFÜHLE UND MEINES VERHALTENS BEWUSST ZU WERDEN, MUSS ICH ZUERST EINMAL EIN NEUTRALER BEOBACHTER MEINER SELBST WERDEN. ICH MUSS GEWISSERMASSEN NEBEN MICH SELBST TRETEN, UM EINE “DISTANZ” ZWISCHEN MIR UND MEINEN GEFÜHLEN, VORSTELLUNGEN UND VERHALTENSWEISEN ZU SCHAFFEN.

ICH BIN DER BEOBACHTER. MEINE GEFÜHLE, VORSTELLUNGEN UND VERHALTENSWEISEN SIND DIE OBJEKTE MEINER BEOBACHTUNG.

Natürlich werden Sie dies nicht von heute auf morgen in jeder Situation können. Aber seien Sie sich gewiss: ÜBUNG MACHT DEN MEISTER! Auch SIE, können es LERNEN!

  1. Wünsche, Bedürfnisse und Triebe lösen entsprechende Vorstellungen und Gefühle aus

Ein einfaches Beispiel: Sie sind müde und abgespannt, haben das BEDÜRFNIS nach Ruhe, Erholung, Entspannung – nach Urlaub!
Na? … Und schon ist sie wieder da, die VORSTELLUNG von der Südseeinsel, der Sonne, dem Sand, dem Meer und allem, was dazugehört. Und damit sind wir auch schon beim Zusammenhang zwischen dieser und den vorher besprochenen Gesetzmäßigkeiten.

Wir können also unser Schema erweitern:

Körperliche Reaktionen – Verhaltensweisen

Vorstellung

Wünsche/ Bedürfnisse -Triebe

Gefühle

Wünsche, Bedürfnisse und Triebe werden in der Psychologie etwas umfassender auch als MOTIVE bezeichnet. Unser gesamtes Verhalten wird in diesem Sinne von MOTIVEN bestimmt. In der Regel ist es aber nicht ganz so einfach, denn es gilt, drei wichtige Dinge zu beachten:

  1. Das VERHALTEN WIRD gewöhnlich nicht durch ein einziges Motiv, sondern GLEICHZEITIG DURCH VERSCHIEDENE MOTIVE BESTIMMT!
  2. NICHT ALLE MOTIVE für unser Handeln SIND UNS auch BEWUSST.
  3. ES GIBT MOTIVE, DIE WIR vor uns selbst und anderen nicht gelten lassen und deshalb DURCH ANDERE – von der Vernunft geleitete – MOTIVE ersetzen. (Diesen Vorgang nennt man in der Psychologie auch Rationalisierung.)

Jeder Mensch hat aufgrund seiner eigenen Lebensgeschichte und -erfahrung auch eine ganz persönliche, also INDIVIDUELLE MOTIVSTRUKTUR. So auch Sie. Ihre MOTIVE sind Ihnen zum Teil BEWUSST. Und zum Teil sind es UNBEWUSSTE Motive.

Darüber hinaus gibt es sowohl bewusste als auch unbewusste MOTIVE, die in bestimmten Situationen vielleicht als “unschicklich” gelten oder aber (von der Gesellschaft) nicht akzeptiert werden und die Sie deshalb durch andere – “schickliche” oder akzeptierte bzw. “vernünftige” – Motive ersetzen.

Nehmen wir folgendes Beispiel:

Sie wollen sich ein neues Auto kaufen. Einen größeren, “schöneren” Wagen als Sie bisher hatten. Sie werden wahrscheinlich als MOTIV (vor sich selbst, bestimmt aber gegenüber anderen) anführen, dass Sie z.B. einen größeren Kofferraum, bequemere Sitze benötigen; dass der neue Wagen mehr Verkehrssicherheit bietet, etc. Im Grunde aber wollen Sie den größeren Wagen, weil vielleicht der Nachbar auch einen solchen hat und Sie ihm nicht “nachstehen” wollen; oder weil Sie damit einen gewissen Lebensstandard demonstrieren wollen, usw.

Das eigentliche, WAHRE MOTIV ist also keineswegs ein “vernünftiges”, sondern vielmehr ein Streben nach (mehr) Anerkennung und Akzeptanz.

Der WUNSCH danach ruft natürlich bestimmte VORSTELLUNGEN (z.B. wie diese Anerkennung aussieht) auf den Plan, die ihrerseits wieder mit bestimmten (in diesem Fall: angenehmen) GEFÜHLEN verbunden sind.

BEACHTE: FORSCHEN SIE BEI IHREM HANDELN IMMER NACH DEN WAHREN MOTIVEN!

Nur wenn Sie sich Ihrer WAHREN MOTIVE BEWUSST sind, werden Sie ihnen nicht mehr blind folgen! Sie werden dann den Prozesskreislauf Ihrer VORSTELLUNGEN, GEFÜHLE und VERHALTENSWEISEN durchschauen und BEWUSST durchbrechen können!

Fragen Sie sich also selbst:

WARUM HANDLE ich so? WARUM WILL ich so handeln? WELCHE VORSTELLUNGEN habe ich dabei? Und WELCHE GEFÜHLE?
Mit WELCHEN MOTIVEN BEGRÜNDE ich mein Handeln? WELCHE WAHREN MOTIVE stecken dahinter?

MERKE:

LASSEN SIE BEI DIESEN SELBSTFRAGEN IHRE VORSTELLUNGEN UND GEFÜHLE ZU! MACHEN SIE SICH ZU IHREM NEUTRALEN BEOBACHTER! ÜBER VORSTELLUNGEN UND GEFÜHLE UND DEREN BEWUSSTE WAHRNEHMUNG ERKENNEN SIE AM EHESTEN IHRE WAHREN MOTIVE!

  1. Aufmerksamkeit, Interesse, Bejahung und Wiederholung verstärken die jeweiligen Vorstellungen

Je aufmerksamer wir z. B. einen Artikel lesen, je mehr uns der Artikel interessiert, je mehr wir den Inhalt bejahen und je öfter wir ihn lesen, um so klarer und deutlicher steht uns der Artikel vor Augen, um so BEWUSSTER ist er uns.

Genau so verhält es sich mit den VORSTELLUNGEN. Je mehr AUFMERKSAMKEIT und INTERESSE Sie bestimmten VORSTELLUNGEN entgegenbringen, um so klarer können Sie sie erkennen, um so BEWUSSTER sind sie Ihnen. Dies trifft auch zu, wenn Sie die Vorstellungen BEJAHEN, d.h. wenn Sie sie gutheissen und immer wiederholen.

Dabei ist zu beachten:

AUFMERKSAMKEIT UND INTERESSE VERSTÄRKEN SICH AUCH GEGENSEITIG! Je größer das INTERESSE, um so höher die AUFMERKSAMKEIT! Und umgekehrt!

  1. Wiederholung führt zur Gewohnheit

Unter GEWOHNHEIT verstehen wir einen relativ automatisierten Handlungsablauf, der durch Übung und Lernen – also durch ständiges WIEDERHOLEN – entstanden ist und NICHT MEHR BEWUSST durchgeführt wird.

Denken Sie dabei z.B. ans Autofahren:

Sie haben in der Fahrschule gelernt, dass Sie beim Schalten in einen anderen Gang erst den Fuß vom Gaspedal nehmen und dann die Kupplung durchtreten müssen. Das war zunächst ein BEWUSSTER HANDLUNGSABLAUF, den Sie ständig (BEWUSST) WIEDERHOLTEN, bis -ja: bis dieser Vorgang zur GEWOHNHEIT wurde. Heute führen Sie diese Handlung “automatisch” aus, d.h.: die einzelnen Handlungsschritte vollziehen Sie NICHT MEHR BEWUSST.Ähnlich entstehen auch GEWOHNHEITEN im Denken und Verhalten.

Sie können dieses Prinzip auf zwei verschiedene Arten für sich nutzen:

  1. FINDEN SIE HERAUS, WELCHE VERHALTENS- UND DENKWEISEN BEI IHNEN ZUR GEWOHNHEIT GEWORDEN SIND! GIBT ES GEWOHNHEITEN, DIE SIE SICH GERN “ABGEWÖHNEN” WÜRDEN? DAS ABGEWÖHNEN FUNKTIONIERT GENAU SO WIE DAS ANGEWÖHNEN!
  2. WIEDERHOLEN SIE (ZUNÄCHST) BEWUSST IMMER WIEDER DIE VERHALTENS- UND DENKWEISEN, DIE SIE ANSTREBEN, DAMIT DIESE ZUR GEWOHNHEIT WERDEN!
  3. Psychische Funktionen verfolgen ihr Ziel auch dann, wenn es uns nicht bewusst ist

Wenn Sie z.B. die Hand ausstrecken, dann ist es von der Idee, die Hand auszustrecken, bis zur Verwirklichung eigentlich ein weiter Weg: Die Idee löst einen entsprechenden Reiz im Gehirn aus, von wo aus Impulse durch Nervenbahnen in die entsprechenden Muskeln gesendet werden, die Muskelkontraktionen bewirken wiederum…

Bis es schließlich zu der gewünschten Handbewegung kommt. Für die einzelnen Schritte, die zur Verwirklichung dieser Idee führen, geben Sie weder BEWUSST den Auftrag, noch nehmen Sie diese BEWUSST wahr.

Vergleichbar komplex und UNBEWUSST läuft auch das Zusammenwirken verschiedener PSYCHISCHER FUNKTIONEN ab.

Wenn Sie z.B. die Idee von einem bestimmten Ziel haben, werden – ohne dass Sie dazu BEWUSST einen entsprechenden “Auftrag” erteilt haben – verschiedene PSYCHISCHE FUNKTIONEN aktiviert: VORSTELLUNGEN, GEFÜHLE, WÜNSCHE, BEDÜRFNISSE usw. Alles ist darauf gerichtet, das Ziel zu erreichen. Die verschiedenen Wege zum Ziel – die Lösungen also – werden auch ohne Ihr BEWUSSTES ZUTUN auf ihre Zweckmäßigkeit hin überprüft.

Es ist, als wenn Sie Ihrem Unbewussten den Auftrag erteilt hätten, nach Lösungen zu suchen, wie das Ziel erreicht werden kann. Man spricht auch davon, eine Idee oder eine Entscheidung “reifen zu lassen”: Sie denken eine Zeitlang BEWUSST nach, wägen das Für und Wider gegeneinander ab, suchen bewusst nach Möglichkeiten der Verwirklichung. Sie tun dies aber nicht ständig. Sie lassen die Gedanken “ruhen”, “überschlafen” sie.

Bei Künstlern spricht man oft auch von einer “schöpferischen Pause”. Und dann – irgendwann, “spontan”, wenn Sie eigentlich gar nicht “bewusst” daran denken – kommt der “zündende” Gedanke, die Lösung.

In Wirklichkeit hat sich in der ganzen Zeit Ihr Unbewusstes, haben Sie sich mit dem Problem beschäftigt, ohne dass es Ihnen BEWUSST wurde.

  1. Bedürfnisse und Wünsche streben nach Befriedigung, Gefühle nach Ausdruck

Bedürfnisse, Wünsche, Triebe, d.h.: MOTIVE sind im Menschen immer “latent” vorhanden. Sind sie erst einmal aktiviert, also angeregt worden, streben sie auch danach, befriedigt zu werden. Sie sind sozusagen der ANTRIEB für das VERHALTEN. Dabei sind natürlich der Grund, die Art und der Stellenwert der einzelnen Motive sehr unterschiedlich.

Das gleiche MOTIV kann von Mensch zu Mensch wie auch von Situation zu Situation zu ganz UNTERSCHIEDLICHEN VERHALTENSWEISEN führen.

Beispiel:

Das Bedürfnis nach Anerkennung kann sich z.B. darin äußern, dass Sie bei der Arbeit besonders strebsam und fleißig sind. Oder: Dass Sie beim Chef andere Mitarbeiter anschwärzen, um sich quasi selbst “hervorzuheben”. Oder: Sie reißen am Stammtisch zotige Witze, um die “Lacher” auf Ihrer Seite zu haben. Oder: Sie versuchen, durch besonders kluge Argumentationen die Aufmerksamkeit Ihrer Freunde zu wecken…

BEOBACHTEN SIE SICH EINMAL SELBST! WIE VERSUCHEN SIE, IHRE VERSCHIEDENEN BEDÜRFNISSE IN DEN VERSCHIEDENEN SITUATIONEN ZU BEFRIEDIGEN?

FÜHRT IHR VERHALTEN TATSÄCHLICH AUCH ZU EINER BEFRIEDIGUNG DER BEDÜRFNISSE?

IST ES EINE KURZZEITIGE ODER EINE LÄNGER ANHALTENDE BEFRIEDIGUNG?

Das Problem nämlich ist, dass nicht immer die GEEIGNETE FORM gefunden wird, um die Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen bzw. die Gefühle auszudrücken.

BEACHTE: WELCHE BEDÜRFNISSE SIND IHRE WAHREN BEDÜRFNISSE? Denken Sie an Gesetzmäßigkeit 5!

MERKE: NUR WENN IHNEN IHRE MOTIVE UND GEFÜHLE BEWUSST SIND, HABEN SIE AUCH DIE CHANCE, SIE RICHTIG AUSZUDRÜCKEN!

Ja schon, werden Sie jetzt sagen, aber WIE?

  1. Motive und Gefühle können direkt, indirekt und sublimiert (umgewandelt) ausgedrückt bzw. befriedigt werden

Wenn Sie Hunger haben, dann essen Sie etwas. Wenn Sie frieren, dann ziehen Sie sich wärmere Kleider an. Wenn Sie müde sind, dann schlafen Sie. Sie befriedigen diese Bedürfnisse also DIREKT.

Die DIREKTE BEFRIEDIGUNG ist aber bei manchen Bedürfnissen schwierig: Wenn Sie beispielsweise auf Ihren Chef wütend sind und ihm am liebsten eine Ohrfeige verpassen würden, könnte die DIREKTE BEDÜRFNISBEFRIEDIGUNG zu erheblichen und vor allem unangenehmen Konsequenzen für Sie führen. Sie werden also statt dessen wahrscheinlich in Ihr Büro zurückgehen und einmal “kräftig mit der Faust auf den Tisch schlagen”.

Vielleicht aber verpassen Sie die Ohrfeige auch abends, wenn Sie nach Hause kommen, Ihrem Sohn – aus einem “belanglosen” Anlass. Oder Sie reagieren sich beim abendlichen Fußballspielen ab und “treten den Ball besonders kräftig”. Vielleicht machen Sie dies auch ganz BEWUSST, um Ihrem “Ärger Luft zu machen”.

In jedem Fall also werden Sie Ihr Bedürfnis INDIREKT BEFRIEDIGEN. Dies kann UNBEWUSST (z.B.: dem Sohn eine Ohrfeige geben), aber auch BEWUSST (z.B.: Fußballspielen) erfolgen.

REAGIEREN SIE IHRE WUT UND IHREN ÄRGER AB. INDIREKT! DIES IST BESSER, ALS IHN “HINUNTERZUSCHLUCKEN”. UND DAVON MAGENGESCHWÜRE ZU BEKOMMEN.

ABER BITTE: TUN SIE ES BEWUSST UND TUN SIE ES SO, DASS NIEMAND SCHADEN NIMMT ODER GAR ALS ERSATZ-SÜNDENBOCK HERHALTEN MUSS (z.B. der Ehepartner oder die Kinder)!

NEHMEN SIE EIN KISSEN, SCHLAGEN SIE ES! SCHREIEN SIE IHRE WUT HERAUS. ODER SCHREIBEN SIE – um beim Beispiel zu bleiben – IHREM CHEF EINEN BITTERBÖSEN BRIEF. ABER BITTE: SCHICKEN SIE IHN NIE AB!

Trotzdem fühlen Sie sich dann “befreit”, “erleichtert”; es wird Ihnen wohler sein und besser gehen. Und: Sie werden die Dinge, die Hintergründe klarer erkennen. Es wird Ihnen BEWUSST werden, WARUM Sie EIGENTLICH so wütend waren. Sie erkennen das WAHRE MOTIV für Ihr Gefühl, für Ihr Bedürfnis.

Und: SIE KÖNNEN DANN IHR WAHRES BEDÜRFNIS AUCH (FREI VON WUT) RICHTIG ZUM AUSDRUCK BRINGEN!

Nun gibt es noch eine dritte Art, Bedürfnisse und Gefühle zum Ausdruck zu bringen bzw. zu befriedigen: Die UMWANDLUNG, auch SUBLIMIERUNG genannt. Hierbei handelt es sich um einen Prozess, in dessen Verlauf ein BEDÜRFNIS IN SEINER RICHTUNG GEÄNDERT und dadurch auch die ART DER BEFRIEDIGUNG GEÄNDERT wird.

Auf das Beispiel mit der “Wut auf den Chef” bezogen, könnte dies bedeuten:

Sie legen im Umgang mit Ihren Mitarbeitern/Kollegen oder Untergebenen besonderen Wert auf demokratische Umgangsformen; Sie bemühen sich in Ihrer Abteilung um ein besonders gutes Betriebsklima (eigentlich: Sie streben danach, sich selbst so zu verhalten, dass niemand auf SIE wütend zu werden braucht). Oder aber Sie lassen sich in den Betriebsrat wählen u.a.

Diese UMWANDLUNG DER BEDÜRFNISSE geschieht meistens UNBEWUSST. Sie können Sie aber auch ganz BEWUSST herbeiführen.

Wichtig ist auch hierbei wieder:

MERKE:

SEIEN SIE EHRLICH ZU SICH SELBST, UND ERFORSCHEN SIE IHRE WAHREN MOTIVE! DANN WERDEN SIE IN DER JEWEILIGEN SITUATION IHRE GEFÜHLE ANGEMESSEN ZUM AUSDRUCK BRINGEN UND IHRE BEDURFNISSE ANGEMESSEN BEFRIEDIGEN KÖNNEN!

Können BEDÜRFNISSE NICHT gleich oder in absehbarer Zeit BEFRIEDIGT werden, kommt es zu SPANNUNGSZUSTÄNDEN.
Dies ist auch der Fall, wenn NICHT die WAHREN BEDÜRFNISSE BEFRIEDIGT oder die WAHREN BEDÜRFNISSE NICHT in GEEIGNETER FORM befriedigt werden können.

Psychische SPANNUNGSZUSTÄNDE führen zu KÖRPERLICHEN REAKTIONEN (Erinnern Sie sich der Gesetzmäßigkeiten 1-4 und deren Wechselwirkungen!). Man spricht von ANSPANNUNG oder auch von VERSPANNUNG und meint damit sowohl den psychischen als auch den körperlichen Zustand (z.B. die Muskelverspannung).

Was macht man dagegen? Man sorgt für “ENTSPANNUNG”. ENTSPANNUNG kann auf verschiedene Weise erreicht werden.

Wir stellen Ihnen im Anhang als Möglichkeit ein TRAININGSPROGRAMM vor: “ENTSPANNUNG DURCH PROGRESSIVE MUSKELENTSPANNUNG”.

Und Sie wissen ja:

  1. KÖRPERLICHE ENTSPANNUNG FÜHRT AUCH ZUR PSYCHISCHEN ENTSPANNUNG!
  2. WIEDERHOLUNG FÜHRT ZUR GEWOHNHEIT-ODER: ÜBUNG MACHT DEN MEISTER!

ÜBEN Sie, Schritt für Schritt: Üben Sie die einzelnen Schritte des Programms, bis sie Ihnen “in Fleisch und Blut” übergegangen sind, bis die BEWUSSTE Entspannung zur GEWOHNHEIT wird und in jeder Situation – BEWUSST UND UNBEWUSST – angewendet werden kann.

„Der Zufall trifft nur einen vorbereiteten Geist.“
Louis Pasteur

„Dieses Buch wird Ihr Leben für immer verändern“
„Die Scheu vor der Verantwortung
ist eine Krankheit unserer Zeit.“
Otto von Bismarck (1815 – 1898)