Das Geheimnis der Spiritualität – Spirituelle Wege

Spiritualität

Spiritualität

In diesem Abschnitt wollen wir einen Überblick über die wichtigsten und wirksamsten spirituellen Strömungen der Menschheitsgeschichte geben.
Zuvor allerdings gilt es, den Begriff der Spiritualität näher zu erläutern.
Spiritualität im allgemeinen meint Geistigkeit, auch Übersinnlichkeit. Die Lehre des Spiritualismus geht davon aus, dass der Geist das einzig Wirkliche, der Körper folglich nur eine Erscheinungsform dieses Geistes ist.

Auf die verschiedenen religiösen Richtungen und Philosophien übertragen, heisst das: Ein religiöser Mensch ist dann zur Spiritualität fähig, wenn er “seine” Religion verinnerlicht hat, wenn er sie auf tiefe Art und Weise lebt und erlebt. Er ist dann dazu in der Lage, sich einen Zugang zum allumfassenden Geist, zum Göttlichen schlechthin, zu verschaffen, entsprechende Erlebnisse und Erfahrungen werden häufig als Visionen oder Erleuchtungen bezeichnet.

Beginnen wir nun mit dem Überblick über die wichtigsten und wirksamsten spirituellen Strömungen der Menschheitsgeschichte.

Germanen, Kelten, weise Frauen

Das Weltbild der altnordischen und indogermanischen Mythologie verweist auf ein geistiges Zentrum der Welt, das als Baum des Lebens, als Weltachse oder Weltmitte bezeichnet wurde. In diesem Zentrum liegt nach indogermanischer Anschauung der Ursprung des Lebens, um diese Achse kreist alles menschliche Leben.

Dieser Mythos findet seinen Ausdruck in zahlreichen steinernen Darstellungen, so in den sogenannten Menhiren, den Großsteinen, die als säulenartige Aufbauten die Stütze der Welt, ihr eigentliches geistiges Zentrum symbolisieren.

In die gleiche Richtung weist der Omphalos (griech. Nabel), ein halbeiförmiger Stein, dem gerade im keltischen Irland eine große Bedeutung zukommt. Dieser Stein soll den Nabel der Welt, den Mittelpunkt der Erde darstellen.

Die gesamte indogermanische Kultur und Mythologie ist gekennzeichnet durch den Glauben an einen allmächtigen und allwissenden Gott, der als Urvater der Menschheit angesehen wird. Als Baum des Lebens, als Weltachse, als Zentrum allen Seins wacht er über die Geschicke der Menschen.

Schamanen

Im Schamanismus kommt die Einheit von Kosmos, Natur und Lebewesen zum Ausdruck. In dieser Ganzheit, die der Schamanismus durch Entsagung, Gebet und Meditation erreicht, schafft er einen Zugang von der irdischen, der realen Welt zur Welt des Göttlichen.

Diese Welt der Geistigkeit und Heiligkeit offenbart sich dem Schamanen nur dann, wenn er sich zuvor seiner Menschlichkeit, seiner menschlichen Existenz symbolisch entledigt hat.

In diesem Stadium der Entrücktheit erlangt der Schamane ein höheres Bewusstsein, eine höhere Stufe des eigenen Ichs. Der Einklang von Mensch und Natur, den er nun in sich selbst erfährt, ermöglicht ihm ein völlig neues Weltbild, eine andere Sicht der Dinge.

Nord- und südamerikanische Traditionen

Auch die Weltanschauung der indianischen Ureinwohner Nord- und Südamerikas ist von dieser Ganzheit, dem Einklang von Mensch und Natur geprägt. In diesen frühen indianischen Überlieferungen teilt sich die Welt in zwei Bereiche, in Tonal und Nagual.

Die Welt des Tonal bezeichnet dabei die reale Welt, die den Erfahrungen des Menschen zugänglich ist. Die Welt, in der er lebt, in der er sein Leben gestaltet.

Nagual dagegen beschreibt eine jenseitige Welt, die Welt des Licht`s und der Vision. Dem Menschen ist die Möglichkeit gegeben, in diese Welt des Nagual einzudringen. Dort eröffnen sich ihm neue Anschauungen, visionäre Erfahrungen, die ihn über sein irdisches Dasein hinausheben, die ihn seine bisherigen Grenzen überschreiten lassen.

Griechen und Römer

Allen hellenischen Mysterien und Geheimkulten ist ein prägendes Element gemeinsam: Die Suche nach der Einheit, dem Einklang mit der einen, der wahren Gottheit.

In diesem Sinne beschreiben die griechischen Kulte und Riten den Weg der Initiation, der Einweihung, an dessen Ende die Verbindung mit dem Göttlichen stehen soll. Voraussetzung dieser Einweihung ist die seelische Reinheit, die durch entsprechende kultische Handlungen herbeigeführt wird.

Das Erreichen dieser hohen Bewusstheit, die die Verbindung, die Einheit mit der Gottheit ermöglicht, war nach hellenischer Auffassung auf normalem Wege nicht denkbar. Deshalb liegen all diesen Mysterien Zustände der Erregung, der Ekstase oder des Rausches zugrunde. Nur so glaubte man sich der irdischen Welt entheben zu können.

Auch die römischen Mythen und Mysterien waren in starkem Maße von hellenischen Elementen und Einflüssen bestimmt. Insgesamt aber war diese Spiritualität, die Suche nach Geistigkeit, vergleichsweise schwach entwickelt.

Hervorzuheben ist deshalb allein der sogenannte Mithraskult, der ursprünglich auf eine indoiranische Naturgottheit zurückgeht, sich in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten aber auch in Italien ausbreiten konnte. Die in diesen Kult Eingeweihten verehrten Mithras in Grotten (Mithräen), durch der Gottheit dargebrachte Stier Opfer glaubten sie, geistige Unsterblichkeit erlangen zu können.

Chaldäer, Ägypter, Assyrer

Die chaldäischen, ägyptischen und assyrischen Mythologien, die allesamt auf einer hohen Entwicklungsstufe gestanden haben müssen, waren geprägt von einer elementaren Überzeugung: Dem Glauben an die Unsterblichkeit der Seele.

Darauf fußt der in dieser Form außergewöhnliche und unvergleichliche Todeskult der Ägypter. Auch auf chaldäischer Seite kommt die Sehnsucht nach Unsterblichkeit in dem berühmten Gilgamesch-Epos zum Ausdruck.

Zarathustra, Parsismus

Die Religion des altiranischen Propheten Zarathustra wie auch die später daraus hervorgegangene Lehre des Parsismus geht von einem Kampf des Guten gegen das Böse aus.

Die Gottheit Ahuramazda, die das Gute vertritt, siegt schließlich gegen Ahriman, der das Böse symbolisiert. Nach parsischer Auffassung haben sich die Menschen für einen dieser beiden Pole zu entscheiden. Gemäß ihrem Verhalten und ihren Taten werden sie später vor einem Weltgericht zur Verantwortung gezogen und für ihr Tun entweder belohnt oder bestraft.

Kennzeichen dieser Religion sind Riten zur Pflege des Feuers, der Reinheit und der Treue. Schon die ursprüngliche Lehre Zarathustras, die im Prinzip eine Naturreligion war, suchte durch bestimmte Rituale und kultische Handlungen die Elemente Feuer und Wasser sowie die anderen Naturkräfte mit den geistigen Entsprechungen dieser Elemente zu verbinden.

Hebräische Kabbala

Die Kabbala (hebr. Überlieferung) bezeichnet die vor allem in Spanien und in Südfrankreich um 1200 entstandene jüdische Mystik. Ziel der Kabbala ist es, unter Verwendung von neuplatonischen und gnostischen Elementen, eine Versenkung in die letzten Geheimnisse der Welt zu erreichen, die letzten und wirklichen Geheimnisse zu entschlüsseln.

In hebräischer Schrift abgefasst, bieten die verschiedenen Bücher der Kabbala (Thora, Sefer Jetzirah, Bahir, Sohar) eine Fülle von Deutungsmöglichkeiten, weil die einzelnen Texte aus einer Mischung von Buchstaben- und Zahlensymbolen bestehen.

Eine eindeutige Interpretation der Kabbala wird dadurch erschwert, dass die hebräische Schrift nur 22 Konsonanten, aber keine Vokale kennt (diese werden allenfalls durch Punkte angedeutet). So wird beispielsweise im “Buch der Formung” (Sefer Jetzirah) Bezug genommen auf die Bedeutung der 32 geheimnisvollen Pfade der Weisheit. 32 Pfade deshalb, weil sich die hebräische Schrift aus 22 Zeichen und 10 Zahlen zusammensetzt.

Als bedeutendstes Werk der Kabbala wird das “Buch des Glanzes” (Sohar) angesehen, das auf dem Wege der Interpretation und Spekulation eine Deutung der Fünf Bücher des Mose (Thora) vornimmt.

Chassidim

Der osteuropäische Chassidismus, der nach einem neuerlichen Aufschwung der Mystik um 1740 von Baal Sehern Tow begründet wurde, war bis ins 19. Jahrhundert hinein wirksam.

“Der Herr des göttlichen Namens” (wie die Übersetzung des Namens Baal Sehern Tow aus dem Hebräischen lautet) galt wegen seiner Wunder und seiner Prophezeiungen als Heiliger. Der Erneuerer des Chassidismus (Chassidim, hebr. die Frommen) fand im gesamten Ostjudentum zahlreiche Anhänger.

Der Kern dieser Lehre besteht in der Bestrebung, den Gesetzesglauben des Menschen durch die Harmonie zwischen Gott und der Welt zu überwinden.

Essener

In der Tradition der Lehren Moses, Abrahams und Zarathustras lebte die strenggläubige jüdische Gemeinschaft der Essener (von 150 v. Chr. bis 100 n. Chr.). Die Lehre der Essener spricht von allumfassenden kosmischen Gesetzmäßigkeiten, die es für den Menschen zu erkennen gilt. Nur auf der Basis dieser Gesetze sei dem Menschen die Entfaltung der ihm innewohnenden Kräfte möglich.

Ziel jeder menschlichen Existenz ist es nach dieser Anschauung, im Einklang mit der Natur zu leben, eine Verbindung mit den Kräften der Natur herzustellen. Die Essener lebten in strenger Askese nach den Gesetzen des Alten Testaments, ihre mystische Erwartung war auf die kommende Herrschaft Gottes gerichtet.

Wüstenväter und frühe Christen

Diese asketische Grundhaltung war auch den ersten Klostergemeinschaften der frühen’ Christen eigen. Nachdem sie zunächst als Einsiedler in die ägyptische Wüste gezogen waren, bildeten sich nach und nach feste Gruppen, die die ersten Formen des Mönchtums etablierten.

Das Ideal dieser Klostergemeinschaften, das später auch dem westlichen Mönchtum als Basis dienen sollte, war eine strenge, auf Reinheit und Askese beruhende Lebensweise des Betens und Arbeitens, der Meditation und Kontemplation sowie der Solidarität und Nächstenliebe.

Christliche Mystik

Die Mystik beschreibt eine besondere Form religiösen Erlebens, deren Ziel die Erkenntnis des Göttlichen ist. Mit Hilfe von Meditation und Versenkung soll ein unmittelbares Erfassen der Wahrheit durch inneres Schauen, durch die Einswerdung der Menschenseele mit dem Göttlichen möglich werden.

Voraussetzung für eine solche innerliche Versenkung sind die Abkehr vom Leben, die Entsagung, das Fasten oder eine Form der Ekstase.
Viele bedeutende Mystiker wie Meister Eckhart, Heinrich Seuse oder Jakob Böhme haben die Erlebnisse und Visionen dieser unmittelbaren Gotteserfahrung schriftlich niedergelegt, auf diese Weise entstanden eindrucksvolle Dokumente mystischer Erfahrung.

Die katholische Kirche stand solchen Strömungen skeptisch gegenüber, nicht wenige Mystiker sahen sich einer Verfolgung durch kirchliche Institutionen ausgesetzt.

Gnostiker

Der christlich geprägte Gnostizismus, der in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten entstand, umschreibt einen religiösen Erlösungsglauben, der das Schicksal und das Heil des einzelnen von der Erkenntnis Gottes abhängig macht. Nur wer die tiefere Einsicht in das göttliche Geheimnis erlangt hat, wird erlöst werden.

Diese gnostische Strömung (die Übersetzung von “gnosis” aus dem Griechischen lautet “Erkenntnis, Urteil”) hat ihren Ursprung wahrscheinlich schon in der nichtchristlichen Spätantike, sie fußt im Prinzip auf Überlieferungen der ägyptischen, griechischen und hebräischen Mythologie.

Kern der gnostischen Lehre ist die Existenz einer transzendenten Gottheit, die, auch als Lichtgott bezeichnet, mit dem dem Menschen bekannten Kosmos in keinerlei Verbindung steht. Der Kosmos ist vielmehr das (schlechte) Werk eines anderen Schöpfers, des Demiurg. Er steht dem Lichtgott feindlich gegenüber.

In diesem Dualismus, der aus der Welt des Lichts und der Welt der Materie besteht, lebt der Mensch. Er kann sich nur dann daraus befreien, wenn ihm die Einsicht und die Erkenntnis des göttlichen Wissens zuteil wird.

Elemente der gnostischen Lehre sind auch in andere Religionen und geistige Strömungen eingegangen, so finden sich derartige Ideen im Judentum, im Hinduismus, im Buddhismus und schließlich sogar im Christentum.

Alchemie

Alchemistisches Gedankengut wurde im Mittelalter hauptsächlich von Arabern in Europa verbreitet. Sie vermittelten in unseren Breiten das Wissen um die Verwandtschaft und die Veränderbarkeit zahlreicher Stoffe. Vordergründig stand die Idee von der Umwandlung des Quecksilbers in Gold im Mittelpunkt (weshalb die Alchemie oft mit dem Begriff der Goldmacherkunst gleichgesetzt wird).

Doch ist – neben diesem materiellen Aspekt – von großer Bedeutung, dass die Alchemie auf einer ganzheitlichen Betrachtung der Natur fußte, dass es bei dieser Lehre im wesentlichen um eine Umwandlung und Verbesserung der ursprünglichen Stoffe und Substanzen ging.

Das erklärt, weshalb die alchemistische Forschung zahlreiche Heilmittel hervorgebracht hat, es macht auch plausibel, warum man sich um die Gewinnung eines Lebenselixiers bemühte, dem die Fähigkeit zugeschrieben wurde, das Leben zu verlängern. Darüber hinaus darf eine Tatsache nicht aus den Augen gelassen werden: Die moderne Chemie verdankt der Alchemie zahlreiche Verfahren und Entdeckungen, so das Schmelzen, das Legieren, das Destillieren, das Filtrieren und das Färben von Stoffen. Eine Vielzahl hervorragender Naturwissenschaftler arbeitete auf der Basis alchemistischen Wissens.

Rosenkreuzer, Freimaurer

Die geheimen theosophischen Bruderschaften der Rosenkreuzer gingen auf Anfang des 17. Jahrhunderts erschienene anonyme Schriften des württembergischen Pfarrers Johann Valentin Andrea zurück.

Ziel des Geheimordens war die Wiederherstellung des urchristlichen Ideals, die Lehre dieser Bewegung fußte auf alchemistischem, kabbalistischem, gnostischem und christlichem Gedankengut.

Der im frühen 18. Jahrhundert entstandene Männerbund der Freimaurer ist besonders wegen der verwendeten Symbole und Embleme sowie der vielfältigen Einweihungsrituale in diesem Zusammenhang zu erwähnen.

Die Freimaurerei, die aus vielen unabhängigen Organisationen, den Logen, besteht, geht auf die Tradition mittelalterlicher Baumeister zurück und bezieht aus dieser Überlieferung zahlreiche Bräuche und Riten, die zum Teil noch heute praktiziert werden.

Gralsmystik

Diese mystische Strömung bezieht sich auf den Gral, den “heiligen Kelch”, der im Mittelalter als segenspendender Stein oder als die Schüssel angesehen wurde, in der Joseph von Arimathia das Blut des gekreuzigten Christus aufgefangen haben soll.

Die Gralsmystik erfuhr zahlreiche literarische Ausformungen, so wurde der Gral in Wolfram von Eschenbachs “Parzifal” zum Symbol göttlicher Gnade, die ewige Jugend, Gesundheit und Glück verleiht.

Ausgangspunkt dieser Anschauung ist der Versuch, mit dem Geheimnis des Göttlichen in Verbindung zu treten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen vielfältige Einweihungs und Reinigungsriten durchgeführt werden.

Magie, Okkultismus

Ziel jeder Magie ist es, Einfluss auf die Elemente zu gewinnen, um sie auf diese Weise beeinflussen zu können. Voraussetzung dafür ist, daß der Magier über das Wissen von der Natur, von dem Menschen und (vor allen Dingen) von den kosmischen Gesetzen verfügt.

Nur dann ist gewährleistet, dass sein Tun auch tatsächlich Einfluss nehmen kann. Man unterscheidet im wesentlichen zwei Bereiche der Magie. Während die schwarze Magie böse Geister beschwört und eigennützigen und materiellen Motiven entspringt, die der Natur und dem Menschen Schaden zufügen, fußt die weiße Magie auf lauteren Bestrebungen, die eine positive Veränderung des Menschen bezwecken.

Ihr Ziel ist es, den Menschen auf eine höhere Stufe des Bewusstseins zu führen, die ihm ein erfülltes Leben ermöglicht. Der Mensch soll dazu in der Lage sein, sich selbst zu kontrollieren, um auf diesem Wege ein hohes Maß an Unabhängigkeit zu erlangen.

Moderne spirituelle Strömungen

Neben den bisher angesprochenen traditionellen spirituellen Formen, die auf älteren Überlieferungen gründen, gibt es eine Reihe von neueren spirituellen Strömungen, die eine eigenständige Weiterentwicklung beziehungsweise die neuartige Verknüpfung vorhandenen Gedankenguts darstellen.

Wir wollen im folgenden die wichtigsten und bedeutendsten modernen Ansätze näherbeschreiben.

Gurdjieff

Ein bedeutender Lehrer moderner Spiritualität war G.l. Gurdjieff, der von 1879 bis 1949 lebte. Im Zentrum seines Wirkens stand die Erkenntnis, dass nur ein harmonischer Mensch, ein Mensch, der seine Gefühle, seinen Geist und seinen Körper in Einklang gebracht hat, zu seinem wirklichen Ich finden kann.

Erst dann wird sein tatsächliches Wesen enthüllt, erst dann wird der Impuls des göttlichen Willens in ihm wirksam. Gurdjieff, der eine eigene Sprache entwickelt hatte, die sich nur dem erschließen konnte, der sich eingehend mit seiner Lehre beschäftigte, schuf Methoden der Selbstbeobachtung, die den Menschen zu seinem wahren Selbst führen sollen.

Krishnamurti

Die Lehre Jiddu Krishnamurtis zielt darauf, den modernen Menschen westlicher Prägung aus seiner Lethargie zu befreien, ihn so aufzurütteln, dass es ihm möglich wird, sein höheres Selbst zu erkennen.

Krishnamurti predigt ein Leben der höheren Aufmerksamkeit, der gesteigerten Wahrnehmung, die dem Menschen den Weg zu sich selbst, zum eigenen Zentrum bahnen soll. Nur wenn der Mensch seiner Umwelt und seinen Mitmenschen mit größerer Achtsamkeit und Aufmerksamkeit begegnet, nur wenn er die Fähigkeit zur Selbstbeobachtung entwickelt, gelingt es ihm nach dieser Anschauung, ein harmonisches und ganzheitliches Leben zu entfalten.

Theosophie

Die im Jahre 1875 von Helena P. Blavatsky gegründete Theosophische Gesellschaft wollte nicht den Versuch unternehmen, eine neue Religion zu begründen, ihre Bestrebung war es vielmehr, dem Ausgleich der bestehenden Religionen zu dienen.

Nachdem der Sitz der Gesellschaft von New York in die Nähe von Madras verlegt worden war, blieb es nicht aus, dass die Inhalte indischer Religiosität immer stärkeren Einfluss auf die Lehre der Theosophie nahmen.

Nach theosophischer Anschauung ist es das Ziel des menschlichen Lebens, mit Hilfe göttlicher Sendboten zur Vollkommenheit aufzusteigen. Die Theosophie spricht unter anderem von den sieben verschiedenen Strahlen, die die göttliche Wahrheit repräsentieren. So symbolisieren die einzelnen Strahlen die Willenskraft, die Liebe, das schöpferische Denken, die Kunst, den Verstand, die Mystik und die Übung.

Anthroposophie

Ursprünglich von der Theosophie inspiriert, entwickelte Rudolf Steiner Anfang des 20. Jahrhunderts die Anthroposophie, die den Menschen in den Mittelpunkt ihrer Lehre stellt. Diese christlich orientierte Weltanschauung wendet sich von der immer stärker buddhistisch geprägten Theosophie ab und versucht, auf wissenschaftlichem Wege die übersinnliche Welt zu erforschen.

Neben spekulativ-mystischen Elementen sind in die Anthroposophie vor allem die Goethesche Naturauffassung und die Lehre von der Wiedergeburt des menschlichen Geistes eingegangen. Ziel der anthroposophischen Lehre ist es, den Menschen in seiner Ganzheit zu entwickeln, zu diesem Zweck wurden die pädagogisch bedeutsamen und in vieler Hinsicht vorbildhaften Waldorfschulen gegründet.

Darüber hinaus konnte die Anthroposophie wichtige Impulse auf dem Gebiet der Medizin und der biologisch orientierten Landwirtschaft geben.

Sufismus
Der Sufismus, die beherrschende mystische Strömung des Islams, gliedert sich in zwei unterschiedliche Bereiche: Den mystisch-schwärmerischen Zweig südlicher Prägung, der beispielsweise in den Gebieten Syriens, Ägyptens und des Irak wirksam ist.

Der Sufi sucht durch verinnerlichte persönliche Frömmigkeit das Erleben des Einsseins mit Gott, er versucht, durch Kontemplation und Meditation Visionen herbeizuführen.

Der in nördlichen Breiten, in Turkestan, Iran, Aserbeidschan und Afghanistan anzutreffende Sufismus ist asketischer und rationaler geprägt. Diese Sufis verstehen sich als Wissenschaftler, deren Ziel es ist, die menschliche Existenz und die kosmischen Gesetze zu erkennen und zu verstehen.

Sie wollen nicht nur die Einheit mit dem Göttlichen erleben, ihnen geht es vielmehr um eine umfassende und absolute Befreiung, ein Einssein mit dem Nichts.

Für beide Richtungen des Sufismus gilt gleichermaßen, dass sie in der Tradition älterer mystischer und spiritueller Strömungen stehen, die außerhalb des Islams anzusiedeln sind. So finden sich in dieser Lehre Einflüsse essenischer, zarathustrischer, kabbalistischer, gnostischer und buddhistischer Natur.

Hinduismus

Der Hinduismus stellt die am weitesten verbreitete indische Volksreligion dar. Er ist im ersten nachchristlichen Jahrhundert aus dem Brahmanismus und der vedischen Religion hervorgegangen. Der Hinduismus ist in zahlreiche Sekten mit jeweils eigenen Gotteshäusern, Tempeln, Kultformen und Festen gespalten, eine Vielzahl von Göttern und Heiligen wird in diesen einzelnen religiösen Gruppierungen verehrt.

Doch sollte man, gerade was die spirituellen Strömungen des Hinduismus angeht, daraus nicht den falschen Schluss ableiten, diese Religion sei nicht als Einheit begreifbar. Denn es gibt erwiesenermaßen einige charakteristische Elemente und Kennzeichen, die den verschiedenen Sekten gemein sind.

So haben die einzelnen Richtungen der indischen Philosophie zwar eigenständige und zum Teil voneinander abweichende Methoden der Meditation und der inneren Versenkung entwickelt, gleichwohl lassen sich diese verschiedenen Formen unter dem Begriff des Yogas zusammenfassen.

Das gemeinsame Ziel all dieser Übungen besteht nämlich darin, die Harmonisierung und die Einheit von Körper und Geist zu erreichen. In diesem Zustand glaubt man, die höchste Stufe des Bewusstseins zu erlangen, die Stufe, auf der man das Göttliche erkennen und mit ihm in Kontakt treten kann.

Der Inhalt der vielfältigen Yogaübungen stellt sich im Prinzip als eine Mischung verschiedener Atem-, Körper- und Konzentrationsübungen zur Entfaltung der körperlichen und geistigen Kräfte, die dem Menschen innewohnen, dar. Der Yogi ist bestrebt, Körper und Geist regelmäßig zu schulen, um sie auf diese Weise gesund und aufnahmebereit zu erhalten.

Nur wenn sich Körper und Geist in diesem harmonischen und aufmerksamen Zustand befinden, ist die Voraussetzung für spirituelles Erkennen und Empfinden gegeben.

Buddhismus

Die von dem indischen Prinzen Siddharta Gautama (um 550 v. Chr. bis etwa 483 v. Chr.), dessen späterer Ehrenname Buddha, der Erleuchtete, lautete, gestiftete Religion unterscheidet sich fundamental von den Grundzügen des Hinduismus.

Nach buddhistischer Anschauung ist das Leben in jeder Form ein permanentes Leiden, das Dasein ist gekennzeichnet durch Schmerz, Verlust und Vergänglichkeit. Dieses Leiden beruht auf dem sogenannten Lebensdurst, aus negativen Antriebsfedern wie Egoismus, Gier, Haß, Neid und Unwissenheit.

Der Mensch kann sich nur dann aus dieser leidvollen Existenz befreien, wenn es ihm gelingt, sich von all diesen Begierden zu lösen. Sein Ziel muß der Pfad rechten Wollens, rechten Redens, Lebens und Sich-Versenkens sein. Die von Buddha empfohlene Lebensweise ist sowohl geprägt von Askese und Entsagung als auch von • einer nicht zu unterschätzenden Form der Lebensbejahung, diesen Zugang zu erschließen. Einen Zugang, der zu höherem Bewußtsein führt, zur Vollendung des menschlichen Daseins. Das Tao, der Urgrund des Seins, eröffnet sich dem Menschen nicht durch intellektuelle Betrachtung und Reflexion, sondern allein durch unmittelbare Intuition.

„Heiterkeit,
körperliche Bewegung
und Mäßigkeit
sind die besten Ärzte.“
Friedrich Melchior Grimm

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