Das Geheimnis der Spiritualität – Vom praktischen Wert der Ruhigstellung

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Vom praktischen Wert der Ruhigstellung

In einer berühmten Publikation von 1974 schrieb die Biofeedback-Forscherin Barbara Brown dem Beta-dominierten Menschen folgende Eigenschaften zu: Sorgenvoll, erregbar, unbeherrscht, frustriert, irritiert, zweiflerisch, ungeduldig, grüblerisch. Man kann also sagen, dass der Beta-Zustand mit Anspannung, Stress und Unruhe verbunden ist; es ist ein Zustand der Ausrichtung nach außen, ein Zustand der Ablenkung, der Zerstreuung und der Zersplitterung.

Demzufolge geht man auch davon aus, dass durch diesen Beta-Zustand alle Arten von psychosomatischen Krankheiten begünstigt werden.
Dominieren Alpha-Wellen den Menschen, befindet er sich in einem entspannten und doch energetischen Zustand, der trotz allem als wacher zu bezeichnen ist als der Beta-Zustand. Der Alpha-Zustand tritt normalerweise in “hypnagogen Phasen” auf, also kurz vor dem Einschlafen.

Barbara Brown ordnet dem Alpha-Zustand folgende Attribute zu: Logisch denkend, intellektuell angeregt, gefühlsbetont, heiter, nostalgisch, träumerisch, wohlig, neutral, tolerant, phantasievoll und von gehobener Stimmung.Der Bereich des Unbewussten wird im Theta-Wellen-Bereich zugänglich.

Dieser Zustand stellt sich im Schlaf oder bei tiefer Meditation ein. Ihm ordnete Barbara Brown folgende Eigenschaften zu: Phantasierend, mysteriös veranlagt, unbestimmt, nachlässig, schwankend, unsicher. In diesem Bereich ist die Imagination stark angeregt, und es wird eine reiche Bilderwelt aus dem Unbewussten zugänglich.Normalerweise nur im tiefsten Schlaf stellen sich Delta-Wellen ein. Diese werden bei Bewusstsein nur sehr selten erfahren.

In vielen Forschungen stellte man fest, dass alle langsameren Wellenbereiche von Alpha bis Delta sowohl den körperlichen als auch den psychischen Gesundheitszustand begünstigen. Dies liegt vermutlich daran, dass mit der zunehmenden Entspannung ein ganzheitliches Funktionieren des Organismus möglich ist.

Walter und seine Nachfolger brachten den Delta-Wellenbereich ursprünglich in Zusammenhang mit Tumoren und anderen schwerwiegenden Erkrankungsprozessen. Man glaubte, ihn als Ausdruck krankhafter Zustände betrachten zu müssen. Das Gegenteil wurde aber später festgestellt: Zwar tritt der Delta-Zustand sehr wohl bei solchen Erkrankungsprozessen auf – aber als Ausdruck aktiver Immun- und Heilprozesse.

Eimer und Alyce Green, ebenfalls wichtige Biofeedback-Forscher, entwickelten mittels Hauttemperatur-Feedbacks ein Training der Durchblutung in den Fingerspitzen und in anderen Körperregionen. Sie entdeckten damit eine erfolgreiche Methode gegen Migräne.

All diese Forschungen stellten die ersten wissenschaftlich akzeptierten Beweise für die von der esoterischen Tradition seit Jahrtausenden vertretenen Ansicht dar: Der menschliche Organismus ist viel weniger starr und unveränderlich, als wir annahmen. Die Wissenschaft erkennt immer mehr an, dass wir durch uns natürlich innewohnende Kräfte, auf die wir unsere Aufmerksamkeit (unseren Willen) ausrichten, Körper, Geist und Emotionen kontrollieren lernen können. Wir können uns durch geistige Kräfte nicht nur psychisch, sondern auch physisch steuern und transformieren.

Nur wir selbst können Heilungsprozesse in unserem Körper in Gang setzen und vieles andere mehr.

Damit wurde nichts Neues deutlich, denn schon im alten Rom wusste man zu sagen “Medicus curat – natura sanat”; “Der Arzt behandelt – die Natur heilt”.

Vermutlich kann Heilung im Körper nur stattfinden, wenn das Gehirn in bestimmten Zuständen ist. Hypnose, Trance, Meditation, tiefe Entspannung – also Zustände, in denen das EEG Alpha-, Theta- bis Delta-Wellen zeigt – haben eine direkte Wirkung auf die Killerzellen und das Kortisonniveau des Immunsystems und senken den Spiegel der Stresshormone Adrenalin und Norepinephrin.

Negative Emotionen können den Heilungsprozess sehr stark beeinflussen – sie lösen die Ausschüttung von Norepinephrin aus, das die Immunität unterdrückt. Die neue Generation der Gehirnmaschinen, die in den achtziger Jahren entwickelt wurden, zeigen im Gegensatz zu den Biofeedback-Geräten nicht den Zustand des Gehirns an, sondern “programmieren” dieses durch Stimulierung auf aktive Weise.

Es werden eine ganze Reihe verschiedener Methoden angewandt, die zum Teil Ergebnisse neuester Forschungen aus den Bereichen Neurologie und Biophysik darstellen.

Die meisten Geräte verwenden heute gepulste Reize. Diese bringen die Gehirnwellen dazu, sich auf die gleiche Frequenz einzuschwingen.

Der Effekt ist grundsätzlich dem Effekt eines Trommelrituals vergleichbar:

Der Rhythmus der Trommelschläge füllt die Luft mit Schallwellen einer bestimmten Frequenz; der Schamane tanzt zu diesem Trommelschlag, bis sein Bewusstsein erfüllt davon und eins damit ist; dadurch werden auch seine Gehirnwellen ganz auf diese Frequenz und er selbst in den entsprechenden Bewusstseinszustand gebracht.

Beobachter schamanistischer Rituale haben festgestellt, dass während der Initiationsriten Trommelschlagfrequenzen im Theta-Bereich vorherrschen.

Zu ähnlichen Resultaten führen in unserem Kulturkreis bestimmte Adagios und Largos der Barockmusik von Komponisten wie Bach, Vivaldi, Corelli und anderen. Den daraus resultierenden Ruhigstellungseffekt machen sich das von Professor Lozanov entwickelte “Superlearning” und andere Methoden der Suggestopädie zunutze.

Andererseits haben schon die alten Griechen den Effekt entdeckt: Wenn man ein Windrädchen vor den geschlossen Augen gegen die Sonne hält, entsteht ein Flimmern auf der Netzhaut, das die Phantasie anregt. Seither weiß man, dass flackerndes Licht Halluzinationen verursachen kann.

Schon lange sind Menschen fasziniert von der möglichen Einflussnahme auf mentale Funktionen durch die Kombination rhythmischen Lichts und rhythmischer Klangstimulation. Bei den alten Ritualen zum Erreichen von Trancezuständen spielten neben rhythmischen Klängen in Form von Trommelschlägen, Rasseln, Gongschlägen oder Gesängen auch flackernde Reihen menschlicher Körper in rhythmischen Tanz, deren Formen nacheinander am Lagerfeuer vorbeihuschten und das Licht in hypnotische rhythmische Blitze zerhackten, eine große Rolle.

Auch Hollywood war sich dieser Wirkungsweise durchaus bewusst: Zu den bewegten Bildern des Stummfilms kam bald die Hintergrundmusik. Sehr schnell hatten die Filmemacher begriffen, dass der Klang zur Verstärkung der flackernden Bilder auf der Leinwand beitragen konnte. Filme wie “Vom Winde verweht” waren bereits audiovisuelle Erfahrungen, in denen der rhythmische Klang sich so mit den flackernden Lichtern des Films verband, dass im Bewusstsein der Zuschauer Veränderungen bewirkt wurden, die bei alleiniger Verwendung von Klang oder Licht nicht vorstellbar gewesen wären.

Auch die gewaltigen Rockkonzerte der sechziger Jahre mit ihren gewaltig elektronisch verstärkten Musikinstrumenten und mit psychedelischen Lightshows konnten rasche und tiefgreifende Bewusstseinsveränderungen hervorrufen.

„Manchem fällt es leichter,
eine Menge Vorzüge zu gewinnen,
als einen einzigen Fehler abzulegen.
Und oft ist es gerade dieser Fehler,
der seiner Stellung am wenigsten zuträglich ist,
ihn zum Gespött der Menschen macht
oder doch seinen Erfolg beträchtlich schmälert.“
Jean de La Bruyère

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