Das Geheimnis menschlicher Verhaltensweisen – Daran erkennen wir das Eltern-Ich

 

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Daran erkennen wir das Eltern-Ich

Charakteristische Ausdrucksformen des Eltern-Ichs können wir schon daran erkennen, wenn wir kleine Kinder beim beliebten Rollenspiel “Vater-Mutter-Kind” beobachten. Die Kinder ahmen das Stirnrunzeln, den strengen Blick, die Gesten und die Worte, die sie von ihren Eltern her kennen, sehr gut nach.

Deutliche Anzeichen, die auf das Eltern-Ich hinweisen, sind folgende Gesten und Bewegungen: Die vor der Brust verschränkten Arme, ein abschätziges, resignierendes Seufzen, die gerunzelte Stirn, missbilligendes Kopfschütteln und ungeduldiges Fingertrommeln auf der Tischplatte.

Neben diesen Signalen der Körpersprache gibt es eine Reihe von bewertenden Worten und Redewendungen, die auf das Eltern-Ich hindeuten. Einige Beispiele: “Du sollst”, “Du müsstest”, “Das ist wichtig”, “Das ist falsch”, “Entsetzlich”, “Idiotisch”, “Wie kann man nur”, “Nicht schon wieder”, “Lächerlich”.

Der oftmals unüberlegte und unbewusste Gebrauch solcher Ausdrücke lässt auf die Dominanz des Eltern-Ichs schließen. Zwar kann es auch gut möglich sein, dass aus dem Erwachsenen-Ich heraus eine Bewertung wie “idiotisch” oder “lächerlich” vorgenommen wird. Doch geschieht es auf dieser Ebene erst nach reiflicher Überlegung. Und die Bewertung wird entsprechend begründet.

Dagegen sind Worte wie “immer” und “nie” typische Begriffe des Eltern-Ichs, die auf einen Mangel an Aufgeschlossenheit und Verständnis hindeuten.

Für das Eltern-Ich kennzeichnende Verhaltensweisen und Handlungen sind: Die Zuwendung, die anderen Menschen entgegengebracht wird, das Bemuttern, das Mitempfinden, das Nachfühlen, das Bemühen, sich um die Belange anderer zu kümmern.

Aber auch das Bestrafen, Kritisieren und Beurteilen anderer Menschen und die Neigung, Befehle und Anweisungen zu geben, entsprechen dem Charakter des Eltern-Ichs. Alle Wörter und Redewendungen, die für solche Handlungen und Vorgehensweisen typisch sind, sind Anhaltspunkte, die auf das Eltern-Ich hinweisen.

Am besten und klarsten lässt sich ein Mensch, der aus seinem Eltern-Ich heraus spricht, am Tonfall seiner Stimme und der Geschwindigkeit seines Antwortens erkennen. Darin bringt er zum Ausdruck, dass er sich seinem Gesprächspartner gegenüber als Elternteil fühlt.

Daran erkennen wir das Kindheits-ich

Ein Mensch, der sich seinem Kindheits-ich entsprechend verhält, verrät sich sehr deutlich durch seine Gesten und seinen Gesichtsausdruck. Gelächter und Kichern, das Herausstrecken der Zunge, zuckende Lippen, ein Schmollmund, ein gesenkter Blick, Schulter zucken, Trotzanfälle, Weinen oder die Angewohnheit, die Hand zu heben, um zu zeigen, dass man sprechen will, sind untrügliche Zeichen für das Kindheits-lch. Auch die Angewohnheiten, auf die Lippen zu beißen, den Mund zu verziehen oder eine lange Nase zu zeigen, deuten auf diese Ich-Form hin.

Worte des Bedauerns, der Unentschlossenheit, aber auch des unbedingten Wollens oder der Gleichgültigkeit kennzeichnen das Kindheits-lch. Einige Beispiele: “Au weia”, “Ach du Schreck”, “Menschenskind”, “Ich weiß nicht”, “Ich will”, “Ich möchte”, “Das ist mir egal”. Typisch ist weiterhin der häufige Gebrauch von Superlativen wie “Super”,

“Spitze”, “Das ist eine Wucht” oder “Das ist das Größte”. Eine Vielzahl der Superlative, die wir oft unbewusst benutzen, entstammt unserem Kindheits-ich. Wir gebrauchen sie, um unseren Mitmenschen zu imponieren und um unser Unterlegenheits- und Minderwertigkeitsgefühl zu überspielen.

Dagegen weisen die Fragewörter (Warum, was, wo, wie, wann, wohin, wieviel etc.), die gerade von Kindern oft benutzt werden, nicht auf das Kindheits-ich hin. Es handelt sich hierbei um Elemente des sich entwickelnden Erwachsenen-Ichs. Sie erinnern sich sicher des Beispiels, das wir in einem früheren Abschnitt gegeben haben, um die beginnende Selbständigkeit und Eigenständigkeit eines erst zehn Monate alten Kleinkinds zu erklären. In diesen Bereich fallen auch die Fragewörter. Demgegenüber ist der betont kindliche Tonfall der Stimme, der Naivität oder gespielte Unschuld zum Ausdruck bringt, ein deutliches Zeichen des Kindheits-ichs.

Daran erkennen wir das Erwachsenen-Ich

Wir sind damit beim letzten Punkt dieser Einordnung angelangt.

Welche Kennzeichen sprechen nun eigentlich für das Erwachsenen-Ich? Ein ausdrucksloses Gesicht ohne jede Regung und Bewegung? Ein starrer, kühler, beinahe versteinerter Blick?

Ganz und gar nicht. Die genannten Anzeichen deuten eher darauf hin, dass ein Mensch seine wahren Absichten und Gedanken verbergen will.

Ein vom Erwachsenen-Ich geprägter Mensch dagegen sieht seinen Gesprächspartner offen und direkt an. Er hört aufmerksam und konzentriert zu, sein Gesicht bewegt sich dabei unablässig. So blinzelt er in kurzen Abständen von drei bis fünf Sekunden mit den Augen. Der Gesichtsausdruck ist entspannt, aber man spürt deutlich die Bereitschaft, aufmerksam zuzuhören, die Informationen und Nachrichten zu sammeln und daraus die entsprechenden Schlüsse zu ziehen.

Ein gut entwickeltes Erwachsenen-Ich zeigt andererseits aber auch immer wieder die Züge der Neugier und Begeisterungsfähigkeit, die ursprünglich dem Kindheits-ich entstammen.

Was die charakteristischen Wörter und Redewendungen angeht, so haben wir weiter oben bereits auf das Grundelement der Fragewörter (Was, wie, woher, warum, wann etc.) verwiesen. Weiterhin kennzeichnend ist eine Wortwahl, die Begriffe wie “meiner Meinung nach”, “nach meiner Einschätzung”, “möglicherweise”, “wahrscheinlich”, “richtig” oder “die Tatsachen scheinen dies zu bestätigen” bevorzugt. Es handelt sich dabei um Begriffe, die eine Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit andeuten. Dagegen werden Worte wie “nie” und “immer”, die sehr pauschal und oft oberflächlich bewerten, vermieden.

Die Erkenntnisse und Informationen, die Ihnen in den letzten Abschnitten vermittelt wurden, versetzen Sie in die Lage, Ihre Mitmenschen anhand der charakteristischen Merkmale der Sprache, der Wortwahl, der Gestik und der Mimik einzuschätzen. Zu beurteilen, von welcher Ich-Form Ihr Gesprächspartner geprägt ist, welche Ich-Form augenblicklich dominiert.

Damit sind Sie vor unliebsamen Überraschungen geschützt. Sie werden nicht mehr den Fehler begehen und auf plötzliches aggressives oder Verärgerung zeigendes Verhalten Ihres Gesprächspartners mit dem gleichen falschen Verhalten zu antworten.

Denn Ihnen sind zwei Möglichkeiten gegeben:

Sie wissen nun, wie Sie es vermeiden können, dass sich Ihr Gesprächspartner missachtet und missverstanden fühlt

Wenn es aber dennoch zu einer unkontrollierten Reaktion Ihres Gegenübers kommt, sind Sie dazu in der Lage, das Gespräch wieder bewusst in die richtigen Bahnen zu lenken. Sie kennen die Bedeutung und den Mechanismus der Transaktion auf den verschiedenen Ebenen und werden durch Ihr freundliches und kontrolliertes Wesen das Gespräch in einer sinnvollen und erfolgreichen Weise weiterführen. Trotz aller Schwierigkeiten.

Um Erfolg zu haben,
musst du eine ungeheure Ausdauer besitzen!“
Swami Vivekânanda

Mentalcoach​ing – Für mehr Erfolg und Motivation!

 

lothanius

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