Das Geheimnis menschlicher Verhaltensweisen – Gesundheitslehre

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Wechselbeziehung zwischen Körper und Seele

Der Körper und die Seele eines Menschen stellen eine untrennbare Einheit dar. Zwischen beiden Bereichen besteht eine ständige Wechselbeziehung. Das heißt: Einerseits reagiert der menschliche Körper auf alle Regungen und Empfindungen der Seele. Und umgekehrt wirkt sich unser körperliches Befinden immer auch auf unseren seelischen Zustand, unser Lebensgefühl aus.

Dieses Zusammenspiel von Körper und Seele können wir tagtäglich an uns selbst beobachten.

Einige Beispiele:

Wenn wir sehr erregt sind, wenn wir uns wegen eines besonderen Vorkommnisses aufregen, dann wirkt sich das sofort – in negativer Hinsicht – auf unsere Verdauung aus.

Gefühle der Angst und der Furcht bedingen automatisch einen schnelleren Herzschlag.

Die gedrückte und niedergeschlagene Stimmung eines Menschen spiegelt sich nicht allein in seinem Gesichtsausdruck wider, sie führt gleichermaßen zu einer veränderten Körperhaltung.

Der enge Zusammenhang, der zwischen körperlichen (physischen) und seelischen (psychischen) Faktoren besteht, wird auch in vielen Redewendungen deutlich.

Auch hierfür wollen wir einige Beispiele geben:

– Vor lauter Angst wurden ihm die Knie weich.

– Er versucht, sein Gesicht zu wahren.

– Dieser Vorfall ist ihm auf den Magen geschlagen.

– Er musste seinem Ärger Luft machen.

– In dieser Situation hat er den Kopf verloren.

– Er war bis über die Ohren verliebt.

– Als er dies sah, machte er große Augen.

Diese Einheit von Körper und Seele hat der Psychologe C.G. Jung sehr klar beschrieben:

“Ein unrichtiges Funktionieren der Psyche kann den Körper weitgehend schädigen, wie umgekehrt ein körperliches Leiden die Seele in Mitleidenschaft zu ziehen vermag; denn Seele und Körper sind nichts Getrenntes, vielmehr ein und dasselbe Leben.”

Wenn wir uns dieses untrennbaren Zusammenhangs bewusst geworden sind, kommen wir zu folgender Schlussfolgerung: Der persönliche Erfolg, die positive Gestaltung des Lebens hängt immer von der Ganzheit des Menschen ab. Wir können unsere Ziele nur dann verwirklichen, wenn unser Körper und unsere Seele in Einklang stehen. Und umgekehrt: Wir werden unsere Bestrebungen dann nicht vollenden können, wenn wir uns nur auf unser körperliches oder seelisches Wohlbefinden konzentrieren.

Das heißt: Die Bewältigung jeder Aufgabe, gleichgültig, ob sie vordergründig physischer oder psychischer Natur ist, wird nur dann gelingen, wenn der Mensch in seiner Ganzheit daran beteiligt ist. Wenn er sich nicht einseitig auf einen der beiden Bereiche verlässt und dabei vergisst, die Belange des anderen Faktors zu berücksichtigen.

Aus diesem Grunde ist es unerlässlich, dass wir im Rahmen der Persönlichkeitsentfaltung auch unserem körperlichen Wohlbefinden, unserer Gesundheit die nötige Aufmerksamkeit widmen.

Denn: Eine psychische, eine seelische und geistige Weiterentwicklung wird nur dann Erfolg haben, wenn auch unser Körper intakt und gesund ist.

Deshalb ist es unerlässlich, dass wir die Bedeutung einer vernünftigen und angemessenen Ernährung ebenso beachten wie die Wichtigkeit eines erholsamen und gesunden Schlafes. Nur dann ist gewährleistet, dass wir konzentriert und zweckmäßig an der Verwirklichung unserer Ziele arbeiten können. Nur dann sind wir auch dazu in der Lage, uns zu erholen, uns tief zu entspannen.

Kennen Sie Ihren Körper?

Die meisten Menschen kümmern sich kaum um ihre körperlichen Belange, sie schenken den Reaktionen ihres Körpers nicht die nötige Beachtung. Sie gehen vielmehr davon aus, dass ihr Körper jederzeit und in allen Lebenslagen zu funktionieren hat. Sie denken, dass sie ihren Körper jederzeit im Griff haben, dass sie immer über ihn bestimmen können.

Erst wenn diese Menschen erkranken, wenn der Körper nicht mehr die Leistungen erbringt, die von ihm gefordert werden, schrecken sie auf. Erst dann werden sie sich seiner Bedeutung bewusst- Sie erkennen ihre Nachlässigkeit, ihre Gleichgültigkeit den körperlichen Belangen gegenüber. Sie erfahren schmerzlich, wie abhängig sie in Wirklichkeit von ihrem Körper sind.

Aber: Diese Einsicht kommt den meisten Menschen erst dann, wenn es schon fast zu spät ist. Ihnen kommt schmerzlich zu Bewusstsein, mit welcher Selbstverständlichkeit sie bisher von der richtigen Funktionsweise ihres Körpers ausgegangen sind. Wie fahrlässig sie sich ihm gegenüber verhalten haben.

Ihr Ziel muss es deshalb sein: Ihrem Körper zu jeder Zeit die Aufmerksamkeit zu widmen, die er verdient- Ihn regelmäßig zu pflegen, die körperlichen Belange bei all Ihrem Tun nie aus den Augen zu verlieren. Sie müssen erkennen, dass Sie im Grunde viel zu wenig über Ihren Körper wissen, dass Sie das komplizierte Zusammenspiel der einzelnen Organe und der Prozesse, die in Ihrem Körper ständig vonstatten gehen, kaum durchschauen.

Wir müssen deshalb zunächst eine Grundvoraussetzung schaffen, wir müssen uns über die wahren Bedürfnisse unseres Körpers Klarheit verschaffen. Wir müssen lernen, unseren Körper wahrzunehmen.

Wir müssen die Signale unseres Körpers verstehen lernen, wir müssen die Reaktionen unseres Körpers beobachten und dazu in der Lage sein, die Zeichen, die er uns gibt, richtig zu deuten. Es ist daher unerlässlich, dass wir uns zunächst mit der Nahrungsaufnahme, dem Essen und Trinken, näher beschäftigen. In diesem Zusammenhang sind zwei grundsätzliche Fragen zu beantworten:

  1. a) Was ist Bestandteil einer vernünftigen Ernährung, was sollten wir essen und trinken?
  2. b) Wie, auf welche Weise sollten wir essen und trinken?

Vernünftige Ernährung

Grundvoraussetzung ist: Die Ernährung eines Menschen muss auf seine persönlichen Bedürfnisse abgestimmt sein. Sie muss sich nach der Art und dem Umfang seiner Tätigkeit richten.

Das heißt: Ein Bauarbeiter, der im Freien tätig ist, benötigt eine andere Kost als ein Büroangestellter. Für den Bauarbeiter gilt: Seine Nahrung muss sehr kalorienreich sein, er muss folglich Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Kohl, Rüben, Brot, kräftige Suppen, Fleisch und ähnliches zu sich nehmen. Dagegen kommt dem Eiweißgehalt der Nahrung in diesem Fall keine spezielle Bedeutung zu. Die Kost kann deshalb recht eiweißarm sein, weil mit der großen Menge an Nahrung, die der Bauarbeiter zu sich nimmt, die Zufuhr des nötigen Eiweißminimums ohnehin gewährleistet ist.

Für den Büroangestellten dagegen gilt: Seine nicht zu reichliche Nahrung muss aus eiweißreicher Kost bestehen. Denn er darf nicht zu viel Nahrung zu sich nehmen, um sich nicht unnötig zu belasten. Würde er aber eiweißarme Kost, wie im Falle des Bauarbeiters geschildert, bevorzugen, müsste er unverhältnismäßig viele Kalorien zu sich nehmen, um seinen Eiweißbedarf zu decken. Die Nahrung eines Büroangestellten sollte dementsprechend aus leichter, feinerer und eiweißreicher Kost bestehen. Aus Butter, Eiern, Käse, Milch, Gemüse, hellem Fleisch, Salaten, Obst und ähnlichem.

Unabhängig von den zahllosen Ernährungstheorien, die selbst unter Fachleuten häufig umstritten sind, bleibt eine allgemeingültige Tatsache festzuhalten: Salate, Obst und Milch sind Grundbestandteile einer vernünftigen und gesunden Ernährung. Diese drei Elemente können in ihrer Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden.

  1. a) Salatesind rohes Gemüse, durch den Einfluss von Sonnenlicht, Regenwasser und Bodensalzen stellen sie ein wahres Elixier, eine besonders gute Mischung dar. Ihr hoher Gehalt an Wasser garantiert, dass dem Körper wichtige Verdauungsflüssigkeit zugeführt wird. Gleichzeitig erfrischen Salate den Organismus.
  2. b) Obwohl der Nährgehalt des Obstesan sich minimal ist, obwohl es zu einem hohen Prozentsatz aus Wasser besteht, sind die im Obst enthaltenen Vitamine und Nährsalze sowie gewisse Bestandteile des Eiweißes von großer Bedeutung für den menschlichen Organismus. Kernobst ist in diesem Zusammenhang besonders hervorzuheben, es regt den Körper an und liefert ihm zusätzliche Energie.
  3. c) Schließlich stellt auch die Milchein sehr wertvolles Nahrungsmittel dar. Sie bietet eine für den Menschen geradezu ideale Zusammensetzung. Überdies enthält sie mehr wichtige Bestandteile als die meisten anderen Nahrungsmittel. Und:Milch im Naturzustand kann – anders als die meisten Lebensmittel – vom Körper nahezu vollständig verarbeitet und verdaut werden. Da die Milch in vielen verschiedenen Formen (Käse, Butter, Rahm, Joghurt, Buttermilch etc.) angeboten wird, ist die nötige Abwechslung und Vielfalt jederzeit gegeben.

Eine Grundregel vernünftiger Ernährung lautet:

Die Ernährung sollte in der Zusammenstellung wie in der Zubereitung ihrem natürlichen Zustand möglichst nahekommen. Je einfacher sie zusammengestellt, je einfacher sie zubereitet wird, desto stärker trägt sie zu dauernder Gesundheit bei.

Da viele Nahrungsmittel durch Insektenvernichtungsmittel und andere chemische Substanzen nahezu vergiftet sind, sollten Sie bei der Auswahl Ihrer Nahrung Produkte vorziehen, die dem biologischen Anbau entstammen. Dies gewährleistet, dass die Nahrung weitgehend unverfälscht und natürlich ist.

Maßvolles Essen

Untersuchungen über die Ess- und Trinkgewohnheiten, über die Lebensführung der ältesten amerikanischen Bürger haben ein bezeichnendes Ergebnis erbracht: Obwohl die Ernährungsweise der einzelnen Menschen von Fall zu Fall recht unterschiedlich war, obwohl die Zusammensetzung der Nahrung in bestimmten Fällen – den Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft zufolge – nicht einmal als besonders gesund zu bezeichnen war, wies die Lebensführung dieser sehr alt gewordenen Menschen doch eine entscheidende Gemeinsamkeit auf:

Sie alle hatten ausnahmslos beim Essen und beim Trinken immer Maß gehalten.

Damit ist zweifelsfrei erwiesen, welch große Bedeutung maßvollem Essen zukommt, welch starken Einfluss es auf die Gesundheit des Menschen hat. Denn: Übermäßiges Essen, das zur Gewohnheit wird, führt zwangsläufig zu Übergewicht. Dieses Übergewicht wiederum zeitigt folgende Konsequenzen:

Es ist die Ursache für eine Vielzahl von Erkrankungen.

Und es vermindert die Lebenserwartung des betreffenden Menschen in beträchtlichem Maße. Zwei Zahlenbeispiele: Ein Übergewicht in der Größenordnung von zehn Prozent verringert die Dauer des Lebens um 9 bis 13 Prozent. Zwanzig prozentiges Übergewicht führt dazu, dass sich die Lebenserwartung bereits um 21 bis 25 Prozent reduziert.

Aber: Bei Übergewicht schafft keine spektakuläre Diät Abhilfe. Ihr Gewichtsproblem wird sich nur dann lösen lassen, wenn Sie sich vernünftig und maßvoll ernähren.

Und dies kontinuierlich, Tag für Tag.

Ein weiterer, mindestens ebenso wichtiger Grund für maßvolles Essen besteht darin, dass diese Art der Lebensführung einer inneren Schulung gleichkommt. Das heisst: Indem wir uns an den Grundsätzen des maßvollen Essens und Trinkens orientieren, fällt es uns leichter, unseren Körper und seine Reaktionen zu beobachten.

Wir werden aufnahmefähiger für die Bedürfnisse und Belange unseres Körpers, unsere Empfindsamkeit in diesem Bereich wird beträchtlich gesteigert.

Und: Über unseren Körper lernen wir gleichzeitig unser Inneres besser kennen. Zwei Voraussetzungen sind die Grundlage der maßvollen Ernährung:

  1. Die Bestimmung des individuellen, des persönlichen Maßes.
  2. Die Bereitschaft und das Bestreben, sich an dieses Maß zu halten.

Das individuelle Maß ergibt sich aus der Eigenart jedes Körpers. Sie bestimmt, welche Art und welche Menge an Nahrung der betreffende Mensch braucht. Darüber hinaus ist das Bedürfnis nach Nahrung von zahlreichen inneren und äußeren Faktoren abhängig.’ Von Faktoren, die sich ständig verändern.

Einige Beispiele: Die Jahreszeit, die Tageszeit, die Art der Arbeit, die Umstände, die eine bestimmte Tätigkeit prägen, die Stimmungslage des Menschen etc. Diese einzelnen Faktoren beeinflussen sich gegenseitig, sie wirken auf äußerst vielschichtige Art und Weise zusammen. Aus ihnen resultieren die individuellen Bedürfnisse, denen wir bei unserer Ernährung Rechnung tragen sollten. So gelingt es uns, unser körperliches und geistiges Wohlbefinden zu gewährleisten.

Das heißt: Bei der Bestimmung und Beachtung unseres persönlichen Maßes können wir uns nicht an allgemeine Vorschriften und Regeln, wie beispielsweise Kalorientabellen halten. Uns steht ein viel feineres, ein weitaus exakteres Messinstrument zur Verfügung: Unser eigener Körper. Er kann am besten einschätzen, was ihm guttut, welche Art der Ernährung in welcher Situation angebracht und angemessen ist. Und: Der Körper ist durchaus dazu in der Lage, seine Bedürfnisse zu äußern, sie uns mitzuteilen.

Die Methode des bewussten und aufmerksamen Essens

Diese Methode hilft uns, die Signale und Zeichen unseres Körpers zu erkennen und richtig einzuschätzen. Wir sind dann dazu in der Lage, unser Verhalten den Bedürfnissen unseres Körpers anzugleichen.

Die Methode des bewussten und aufmerksamen Essens lässt sich in drei Bereiche gliedern:

  1. Die Beobachtung der Körperbedürfnisse.
  2. Die Beobachtung der inneren Konflikte während des Essens.
  3. Eine Änderung des Essverhaltens durch Selbstkontrolle.

Diese drei Phasen bedingen sich gegenseitig, sie stehen in einer Wechselbeziehung zueinander.

Wir wollen die einzelnen Elemente in den folgenden Abschnitten näher beschreiben.

Die Beobachtung der Körperbedürfnisse

In dieser Stufe geht es darum, die Bedürfnisse des Körpers zu erkennen und zu verstehen. Die Voraussetzung dafür ist: Wir müssen die Signale unseres Körpers ernst nehmen, wir müssen uns auf die Wahrnehmung dieser Zeichen konzentrieren. Denn: Sind uns die Signale unseres Körpers erst einmal bewusst geworden, wird es uns viel schwerer fallen, sie zu ignorieren. Es wird kaum noch möglich sein, dass wir sie übergehen, dass wir sie bewusst außer acht lassen.

In einem ersten Schritt konzentrieren wir uns auf die Wahrnehmung vergleichsweise einfacher Körpersignale:

  1. a) Ich bin hungrig.
  2. b) Ich bin satt.
  3. c) Mein Körper fühlt sich wohl.
  4. d) Mein Körper fühlt sich nicht wohl.

Es gelingt uns, diese Zeichen zu erkennen, wenn wir während des Essens die nötige Sorgfalt und Aufmerksamkeit aufbringen. Diese Vorgehensweise mag Ihnen anfangs vielleicht schwerfallen. Wenn Sie sich aber an die Regeln halten, die wir Ihnen in der folgenden Übung vorstellen, werden Sie sehr wohl bemerken, dass sich diese Aufmerksamkeit lohnt, dass sie positive Wirkungen hervorbringt.

Gehen Sie bei der Übung zur Beobachtung Ihrer Körperbedürfnisse folgendermaßen vor:

Halten Sie einen Moment lang inne, bevor Sie mit dem Essen beginnen. Machen Sie sich klar, dass Sie die vor Ihnen stehende Mahlzeit Stück für Stück erleben und spüren möchten.

Nach dieser kurzen Vorbereitung können Sie mit dem eigentlichen Essen beginnen. Setzen Sie dabei alle Ihre Sinne ein, riechen und schmecken Sie intensiv, was Sie zu sich nehmen.

Während des Essens sollten Sie auch der Tätigkeit Ihres Magens die nötige Aufmerksamkeit schenken. Beobachten und fühlen Sie, wie er auf die verschiedenen Bestandteile des Essens reagiert.

Der entscheidende Punkt ist: Sie müssen erkennen, wann Sie satt sind, wann Ihr Magen ausgelastet ist. Lassen Sie sich dabei nicht von anderen Vorstellungen und Wünschen beeinflussen. Nehmen Sie nur das wahr, was Ihnen Ihr Körper an Signalen übermittelt.

Auf diese Weise beenden Sie die Mahlzeit ganz bewusst zum richtigen Zeitpunkt.

Einen wichtigen Punkt sollten Sie unbedingt beachten: Sie können nur dann Ihrem Körper die nötige Aufmerksamkeit widmen, wenn Sie während des Essens nicht durch andere Faktoren abgelenkt werden. Vermeiden Sie es deshalb in jedem Fall, während einer Mahlzeit in der Zeitung zu lesen, Radio zu hören oder fernzusehen.

Die Beobachtung der inneren Konflikte während des Essens

In der zweiten Stufe des bewussten und aufmerksamen Essens besteht Ihre Aufgabe darin, die inneren Konflikte wahrzunehmen und zu erkennen, denen Sie während des Essens ausgesetzt sind. Die Hauptursache eines solchen Konfliktes liegt in dem Aufeinandertreffen zweier sich widersprechender Bedürfnisse:

Einerseits übermittelt Ihnen Ihr Körper die Nachricht, dass er satt ist, dass er keine weitere Nahrungsaufnahme mehr wünscht.

Andererseits aber wirkt der Wunsch auf Sie ein, weiter zu essen, weil es Ihnen so gut schmeckt.

Wir müssen diese beiden Empfindungen klar voneinander trennen und erkennen, welche wirklichen Motive zu ihrer Auslösung führen.

Der erste Punkt ist einfach zu deuten: Zu einem bestimmten Zeitpunkt ist das Bedürfnis des Körpers nach Nahrung erfüllt, er ist befriedigt und signalisiert, dass er satt ist.

Die Wünsche und Gefühle aber, die Sie zu einer Fortsetzung der Mahlzeit drängen, die Sie dazu bewegen wollen, gegen die Interessen und Bedürfnisse Ihres Körpers zu handeln, haben einen anderen Ursprung. Einen Ursprung, der im seelischen Bereich zu suchen ist und der mit dem eigentlichen Essen nichts zu tun hat.

Wir wollen diesen Punkt näher erklären: Das Essen dient vielen Menschen als Ersatz für die Befriedigung seelischer Bedürfnisse, die sie sich auf direktem Wege nicht erfüllen können. So gesehen, weist übermäßiges Essen auf einen Mangel an Aufmerksamkeit, Zuwendung und Liebe seitens der Umwelt hin. Das Essen im Übermaß stellt den Versuch dar, diese Bedürfnisse auf einer anderen Ebene zu befriedigen.

Aber: Dies wird in jedem Fall nur eine Scheinlösung sein, mit dem Essen können die eigentlichen, die ursächlichen Schwierigkeiten auch nicht ansatzweise bewältigt werden. Und: Dieses schrankenlose Essen kann sich zu einem regelrechten Zwang entwickeln. Man versucht, die Sorgen und den Ärger durch das Essen zu betäuben. Dabei ignoriert und übersieht man den Zeitpunkt, zu dem es sinnvoll wäre, mit dem Essen und Trinken aufzuhören. Der momentane Genuss, der während des Essens empfunden wird, zieht aber schnell unangenehme Konsequenzen nach sich: Völlegefühl, Unwohlsein und starke Müdigkeit.

In einer Art von Kettenreaktion wirkt sich dies wieder auf die seelische Grundstimmung aus, es führt erneut zu Gefühlen des Ärgers, der Unlust und der Gereiztheit. Zu Gefühlen, die mit dem Essen eigentlich überlagert und unterdrückt werden sollten. Langfristig kann dieses falsche Essverhalten starkes Übergewicht oder gar Fettsucht hervorrufen.

Wir müssen uns klarmachen:

Über- oder Untergewicht ist fast immer die Folge einer psychologischen Schwierigkeit, einer seelischen Störung.

Deshalb ist es so wichtig, während des Essens genau zu beobachten, was in Ihrem inneren vor sich geht. Sie müssen versuchen, die Diskrepanz, den Zwiespalt zwischen den wahren Bedürfnissen Ihres Körpers und den entgegengesetzten Wünschen, die Sie hegen, klar zu erkennen und bewusst wahrzunehmen. Nur wenn Sie diesen Widerspruch, diese Spannung aufmerksam registrieren, werden Sie auch dazu in der Lage sein, solche Zustände zu vermeiden.

Durch die Selbstbeobachtung in der ersten und zweiten Stufe haben Sie Ihr persönliches Maß kennengelernt, Sie wissen nun, ob Sie sich dementsprechend verhalten, ob Sie sich nach Ihren wahren körperlichen Bedürfnissen richten – oder ob Sie diesen Bedürfnissen durch übermäßiges Essen zuwiderhandeln. Sie können nun einschätzen, welches Essverhalten Ihrer Person gerecht wird.

Eine Änderung des Essverhaltens  durch Selbstkontrolle

Nachdem Sie durch die Selbstbeobachtung während des Essens die nötigen Voraussetzungen geschaffen haben, gilt es nun, die dabei gewonnenen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Ihr Ziel muss es sein, durch die ständige Kontrolle Ihres Essverhaltens Fehlentwicklungen zu vermeiden. Sie müssen lernen, der Versuchung zu widerstehen und nur die Menge zu essen, die Ihren tatsächlichen Körperbedürfnissen entspricht.

Maßvolles Essen setzt den Verzicht auf kurzfristigen Genuss voraus. Statt dessen ergeben sich durch vernünftiges und angemessenes Essen langfristig Konsequenzen, die Ihr Lebensgefühl, Ihr körperliches und seelisches Befinden positiv verändern.

Lassen Sie sich deshalb nicht vom Anblick, vom Geruch und Geschmack bestimmter Speisen verleiten. Machen Sie sich die Erkenntnisse zunutze, die Untersuchungen über das Essverhalten von Menschen mit Normalgewicht und von solchen mit Übergewicht erbracht haben. Diese Studien wurden von Professor Schachter an der Columbia Universität von New York durchgeführt.

Sie haben zu folgenden Ergebnissen geführt:

Menschen mit Übergewicht lassen sich sehr leicht vom Geruch und Geschmack der Speisen verführen. Sie nehmen solche Mahlzeiten in viel zu großen Mengen zu sich. Personen mit Normalgewicht dagegen essen etwa ebenso viel von gut wie weniger gut schmeckenden Speisen.

Dicke Menschen haben die Angewohnheit, alles, was ihnen vorgesetzt wird, auch aufzuessen. Menschen mit dem richtigen Körpergewicht dagegen achten immer darauf, dass sie nur eine bestimmte Menge verzehren.

Menschen, die Schwierigkeiten wegen Übergewichtes haben, essen wesentlich schneller als Menschen, die keine Gewichtsprobleme haben.

Wir stellen Ihnen im folgenden eine Reihe von Verhaltensregeln vor, die Ihnen die Selbstkontrolle während des Essens erleichtern können:

  1. a) Legen Sie einen bestimmten Platz fest, an dem Sie das Essen zu sich nehmen. Nur an diesem einen Ort sollten Sie essen! Sie vermeiden es damit, zwischen den Mahlzeiten eine “Kleinigkeit” zu sich zu nehmen.
  2. b) Nachdem Sie die jeweilige Mahlzeit beendet haben, räumen Sie den Tisch immer sofort ab. Damit kommen Sie erst gar nicht in die Versuchung, eine weitere Portion zu verzehren.
  3. c) Bei jeder Portion, die Sie sich auf den Teller tun, sollten Sie genau überlegen, welche Menge Sie vermutlich essen werden. Und:Nehmen Sie sich zunächst lieber eine kleine Portion als eine zu große.
  4. d) Beenden Sie die Mahlzeit sofort, wenn Sie spüren, dass Sie satt sind. Halten Sie sich immer an diese Regel, auch wenn Sie noch nicht alles aufgegessen haben sollten, auch wenn noch Reste auf Ihrem Teller zurückbleiben. Dieser Hinweis soll Sie natürlich nicht dazu verleiten, verschwenderisch mit dem Essen umzugehen.

Das Ziel, das mit dieser Verhaltensregel bezweckt wird, ist ein anderes: Sie sollen das Maß kennenlernen, das Ihren Bedürfnissen entspricht. Sie sollen lernen, nur so viel auf den Teller zu nehmen, wie Sie auch tatsächlich verzehren werden. Wenn aber tatsächlich etwas übrigbleiben sollte, haben Sie immer noch die Möglichkeit, diese Reste bei einer anderen Mahlzeit zu verwenden. Lassen Sie sich aber in keinem Fall von der unsinnigen und ungesunden Regel beeinflussen, derzufolge man alles, was man auf dem Teller hat, auch aufessen muss.

  1. e) Nehmen Sie sich zum Essen ausreichend viel Essen Sie immer nur kleine Bissen. Und zerkauen Sie jeden Bissen langsam und sorgfältig.
  2. f) Trinken Sie nie etwas, solange Ihr Mund noch nicht leer ist.
  3. g) Eine kleine, aber sehr wirkungsvolle Regel hilft Ihnen, beim Essen eine angemessene Geschwindigkeit einzuhalten: Legen Sie Ihr Besteck nach jedem Bissen zur Seite. Nehmen Sie es erst dann wieder zur Hand, wenn Sie den entsprechenden Bissen gegessen haben.

Wenn Sie die Erkenntnisse, die Ihnen in diesen drei Phasen des bewussten und aufmerksamen Essens vermittelt wurden, in die Praxis umsetzen, wenn Sie sich an diese Regeln halten, werden Sie keine Schwierigkeiten mehr mit dem Essen haben. Sie werden zu einer neuen inneren Einstellung dem Essen gegenüber finden, zu einer Einstellung, die Ihr körperliches und seelisches Wohlbefinden fördert.

Die Bedeutung der richtigen Verdauung

Wir müssen uns der Bedeutung, die einer guten und funktionsfähigen Verdauung zukommt, bewusst werden. Denn: Wir leben nicht von dem, was wir essen, sondern allein von dem, was unser Körper verarbeitet und verdaut. Die Ursache vieler Krankheiten, der Grund für Gefühle der Lustlosigkeit, der Gereiztheit und der Müdigkeit sowie der Grund für frühzeitiges Altern liegt oft in schlechter und störanfälliger Verdauung.

Denn: Sobald der Verdauungsapparat nicht richtig arbeitet, wird dies dazu führen, dass Fäulnisbakterien und Giftstoffe ins Blut dringen. Das Blut hat dann nicht mehr die Zusammensetzung, die für eine optimale Funktion der Organe, des Gehirns und der Nerven vonnöten wäre.

Grundvoraussetzung einer vernünftigen und wirkungsvollen Verdauung ist zunächst, dass wir uns auf einfache und möglichst natürliche Art und Weise ernähren. Darüber hinaus sind folgende Faktoren unbedingt zu beachten:

Nervöses und zu hastiges Essen wird die Verdauung immer in negativer Hinsicht beeinträchtigen.

Ablenkungen durch Zeitung, Rundfunk oder Fernsehen wie auch allgemein zu hohe Lautstärke in dem Raum, in dem wir unser Essen einnehmen, sind in jedem Fall zu vermeiden.

Sie sollten darauf achten, dass Sie nicht in ermüdetem Zustand essen. In einem solchen Fall wird ein Viertel der Nahrung vom Körper überhaupt nicht verarbeitet und verwertet werden können.

Für alle genannten Faktoren gilt, dass im Falle ihres Auftretens die Drüsen schlecht arbeiten, dass die Verdauungssäfte nicht die nötige Qualität aufweisen. Sie sollten deshalb der Atmosphäre während und nach der Mahlzeit große Bedeutung zumessen. Damit die Nahrung ihre volle Wirkung entfalten kann, sollte sie in einer angenehmen und harmonischen Atmosphäre eingenommen werden. Sie sollten ruhig und gelöst sein, negative Gedanken des Ärgers und des Verdrusses dürfen keinen Einfluss auf Sie haben. Und: Gönnen Sie Ihrem Körper nach dem Essen die kurze Ruhepause, die er für die erste und intensivste Phase der Verdauung braucht

Setze dir ein Muster und Vorbild und lebe danach,
sowohl wenn du allein bist,
als wenn du unter die Leute kommst.“
Epiktet

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