Das Geheimnis menschlicher Verhaltensweisen – Kleben Sie Rabattmarken?

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Kleben Sie Rabattmarken?

Im Rahmen der Transaktionalen Analyse stellt das Sammeln von psychologischen Rabattmarken folgenden Sachverhalt dar: Das Bewahren bestimmter Gefühle und Empfindungen (zumeist Ärger, Wut oder Zorn) bis zu dem Zeitpunkt, da sich eine größere Zahl solcher negativer Gefühle angesammelt und aufgestaut hat. Ist, um bei diesem Wortspiel zu bleiben, das Heft mit solchen Rabattmarken voll geklebt, kommt es zu einer Entladung, zu einem Racheakt,

Das heisst: Die Rabattmarken werden gegen einen bestimmten psychologischen Preis, einen Wutausbruch, eine wüste Beschimpfung oder eine andere heftige Reaktion eingetauscht (Rogoll, 1967).

Ein Beispiel: Ein von uns gestellter Antrag wurde nun schon zum dritten Mal abgelehnt. In uns werden Gefühle des Ärgers und der Wut wach, wir erleben diese Situation als eine Transaktion vom Eltern-Ich (Behörde) zum Kindheits-ich (Antragsteller). Und: Diese Gefühle sind jenen Empfindungen ähnlich, die wir in unserer Kindheit hatten, wenn uns etwas misslang, wenn etwas nicht nach unserem Willen ging. Aber: Wir haben schon in der Kindheit die Erfahrung machen müssen, dass das ungehemmte, das direkte Zeigen unseres Ärgers und unserer Wut uns oft in Schwierigkeiten brachte.

Folglich werden wir unsere Gefühle nicht in der entsprechenden Situation zum Ausdruck bringen, sondern sie zunächst – wie Rabattmarken – sammeln- Wir warten, bis sich uns eine passende Gelegenheit bietet, bei der wir unsere negativen Empfindungen gegen die Zuwendung und die Aufmerksamkeit unserer Mitmenschen eintauschen können.

Wir glauben, nach einer Sammlung von Rabattmarken das Recht zu einem Wutanfall oder zu einer Beschimpfung zu haben.

Und: Das Einlösen muss nicht auf der Ebene erfolgen, die unseren früheren Ärger ausgelöst hat. Oft genügt eine Kleinigkeit, ein falsches oder falsch verstandenes Wort, um das Faß zum Überlaufen zu bringen, um den Wutausbruch auszulösen.

Es gibt einige charakteristische Äußerungen und Redewendungen, die im geschäftlichen Bereich ankündigen, dass eine solche Einlösung einer Rabattmarkensammlung unmittelbar bevorsteht.

Drei Beispiele:

– “Mein lieber Herr…”

– “Jetzt hören Sie mir bitte einmal ganz genau zu…”

– “Jetzt reicht es mir aber wirklich,,.”

Der dann folgende Wutausbruch, das Schimpfen und Schreien, bleibt unserem jeweiligen Gesprächspartner völlig unverständlich. Denn: Die heftige Reaktion steht in keinem vernünftigen Verhältnis zum eigentlichen Reiz, zum zuvor Gesagten.

Indem wir unsere angesammelten negativen Gefühle auf diesem Wege entladen, indem wir glauben, zu einer solchen Vorgehensweise berechtigt zu sein, verschaffen wir uns auf unehrliche Art und Weise negative Zuwendung und Aufmerksamkeit seitens unserer Umwelt.

Natürlich wäre es das Beste, auf die Sammlung solcher Rabattmarken überhaupt zu verzichten. Aber dies wird gerade auf beruflichem Gebiet eine Illusion, ein frommer Wunsch bleiben. Vorteilhaft und ratsam ist es in jedem Fall, einzelne Marken möglichst direkt einzulösen, sofort über eine Verärgerung oder Missstimmung und ihre Ursache zu sprechen. Oder den Ärger auf anderem Gebiet abzureagieren, beispielsweise durch sportliche Betätigung.

Dies ist allemal sinnvoller als zu lange zu warten, zu lange zu sammeln, um die aufgestaute Wut dann gegenüber Unschuldigen zu entladen. Denn: Der Grad und die Intensität der Entladung wird immer in einem direkten Verhältnis zum Gewicht der angesammelten Gefühle stehen. So kann ein volles Rabattmarkenheft wohl bei einem Waldlauf angemessen eingelöst werden. Aber: Um für fünf volle Hefte einen entsprechenden Ausgleich zu finden, bedürfte es, bei besagtem Waldlauf, schon einer zusätzlichen Verletzung, einer Verstauchung des Fußes etwa.

Menschen, die die Gefühle des Ärgers und der Wut in sich bewahren, die unfähig sind, sich auf sinnvolle Art und Weise davon zu befreien, werden mit der Zeit immer misstrauischer und argwöhnischer ihren Mitmenschen gegenüber. Aus harmlosen, nebensächlichen Bemerkungen lesen sie schwere persönliche Beleidigungen heraus. Sie stellen Vermutungen darüber an, welche schlimmen Worte jemand zu ihnen sagen könnte, welche schlimmen Absichten jemand ihnen gegenüber hegen könnte. Sie versteigen sich in unhaltbare Verdächtigungen.

Ein bezeichnendes Beispiel für solche von der Realität völlig abweichenden Vorstellungen, für unbegründete Verdachtsmomente, für völlig übersteigertes Misstrauen gibt Watzlawick in seinem Buch “Anleitung zum Unglücklichsein”, das im Jahre 1983 erschien.

Die Geschichte mit dem Hammer

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile.

Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß, weil er den Hammer hat. Jetzt reicht’s mir wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er “Guten Tag” sagen kann, schreit ihn unser Mann an: “Behalten Sie Ihren Hammer, Sie Rüpel!”

„Unsere größte Schwäche liegt im Aufgeben.
Der sicherste Weg zum Erfolg ist immer,
es doch noch einmal zu versuchen.“
Thomas Alva Edison

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