Körpersprache – Die Persönlichkeitszonen

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Jeder von uns befand sich schon in Situationen, in denen er die Ausstrahlung, die von seinem Gesprächspartner ausging, deutlich wahrnehmen konnte. Gleichgültig, ob dies eine angenehme oder eine unangenehme Ausstrahlung war.

Ein einfaches Beispiel:

Die Atmosphäre in einem Fahrstuhl. Auf engstem Raum stehen sich mehrere unbekannte Menschen gegenüber. Sie sind unsicher, meist sogar peinlich berührt. In der Regel kommt kein Gespräch zustande. Man redet sich darauf heraus, dass dies in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen sei. Als hätte man in einer einzigen Minute nicht eine Vielzahl freundlicher Worte austauschen können!

Noch ausgeprägter zeigt sich die Unsicherheit während dieser als beklemmend empfundenen Atmosphäre im Fahrstuhl dann, wenn ein neuer Fahrgast hinzu steigt: Möglicherweise geführte Gespräche werden auf der Stelle unterbrochen!

Woher kommt das? Warum sind Menschen peinlich berührt, wenn man ihnen zu nahe kommt? Warum können Partner keine ernsthaften Diskussionen führen, wenn sie sehr nahe beieinanderstehen?

Die Antworten finden wir in den verschiedenen Ausstrahlungszonen des Menschen. Nennen wir diese Zonen die Persönlichkeitszonen.

Zone 1:      Intimzone

Zone 2:      Persönliche Zone

Zone 3:      Tagungszone

Zone 4:      öffentliche Zone

Öffentliche Zone

Menschen, die sich innerhalb unserer öffentlichen Zone, welche im Abstand von etwa 300 cm beginnt, aufhalten, nehmen wir nur sehr vage oder überhaupt nicht wahr. Es kann sich dabei beispielsweise um den Fußgänger auf der anderen Straßenseite, den Bettler an der Straßenecke oder den vorbeifahrenden Autofahrer handeln.

In dieser öffentlichen Zone sind uns die Verhaltensweisen anderer Menschen ziemlich gleichgültig, da sie uns nicht direkt berühren.

Gleichgültig sind uns aber nicht nur die Verhaltensweisen, sondern auch die gesamten Lebensumstände dieser Menschen, die sich in der öffentlichen Zone befinden. Was uns nicht direkt betrifft, geht uns, so glauben wir, auch nichts an.

Die öffentliche Zone übernimmt für uns damit auch die Funktion einer Schutzzone. Sie schützt uns selbst vor äußeren Einflüssen. Wir lehnen die Verantwortung für diese Zone ab, auch moralisch und ethisch. Denn wie würde es sonst ein Mensch rechtfertigen können, dass er in großem Wohlstand lebt, während in anderen Ländern zur selben Zeit Millionen Menschen verhungern?

Derzeit stehen rund 450.000.000 Menschen, das sind 450 Millionen (!), kurz vor dem Hungertod oder sind mittelbar davon bedroht. Um seinen gesunden Schlaf zu retten, spendet der gute Bürger ab und zu ein paar Euro für die Hungernden und kauft sich damit aus seiner Verantwortung frei. Zumindest versucht er es. Sodann wendet er sich wieder genussvoll seinem eigenen üppigen Mittagsmahl zu…

Würden wir ständig mit solchen Problemen konfrontiert werden, dann könnten wir sehr wahrscheinlich überhaupt kein Auge mehr zutun, weder am Tag noch in der Nacht.

Aber hier wirkt die öffentliche Zone als eine Art Schutzschild. Die Dinge, die sich in dieser Zone zutragen, berühren uns nicht sonderlich.

Tagungszone

Ein wesentlich größeres Wahrnehmungsvermögen ist in der Tagungszone gegeben. Sie beschreibt den Raum, der in einem Abstand von etwa 150 bis 300 cm zu uns liegt.

In diesem Bereich finden geschäftliche Besprechungen statt oder werden öffentliche Diskussionen geführt.

Wollen Sie mit einem Menschen ein ernsthaftes Gespräch führen, dann achten Sie genau darauf, dass diese Entfernung eingehalten wird. Wird der Abstand größer, so verliert der Gesprächspartner in der Regel das Interesse an der Unterhaltung, verkleinert sich die Distanz auf weniger als 150 cm, so fühlt er sich womöglich bedrängt.

Gerade was die Tagungszone anbetrifft, müssen wir große Vorsicht walten lassen. Es kann vorkommen, dass man seinem Gesprächspartner durch das gegenseitige Einvernehmen im Laufe des Gesprächs immer näher kommt.

Wird aber der Bereich der Tagungszone unterschritten, so vollzieht sich eine Wendung des Gesprächs: Aus dem vorher sehr vernünftig geführten Gespräch wird mit einem Mal eine ausgelassene Unterhaltung. Lautstärke, Alkoholkonsum und Themenwahl verändern sich schlagartig.

Ein weiterer Fall kann eintreten: Die Gesprächspartner verlieren alle Hemmungen, statt eines Gesprächs findet plötzlich ein gegenseitiges Sich-Ausweinen statt.

Keine dieser drei Möglichkeiten ist begrüßenswert, wenn ein Gespräch mit einer bestimmten Zielsetzung geführt werden soll. Will man sich gegenseitig etwas mitteilen, soll ein Informations- und Wissensaustausch im vernünftigen Rahmen erfolgen, dann muss der Abstand von etwa 150 cm eingehalten werden.

Achten Sie bei den nächsten Unterredungen mit Ihrem Chef, mit Arbeitskollegen und Bekannten bewusst auf diesen Abstand. Und beobachten Sie, welchen Verlauf die Gespräche dann nehmen.

Persönliche Zone

Innerhalb der Zone 2 spielen sich die persönlichen Aktivitäten und Empfindungen ab. Dieser Bereich liegt in einem Abstand von etwa 60 cm bis zu 150 cm vom Menschen. Auf diesen Bereich kann auch mittelbar mit dem Körper Einfluss genommen werden. Die persönliche Zone ist in etwa mit der Reichweite der Hände eingegrenzt.

In diesem Bereich werden mit Partnern und Freunden vertrauliche Gespräche geführt, hier werden zwischenmenschliche Beziehungen vorbereitet.

Das Eindringen in diese Zone ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung der betreffenden Person möglich. Besteht diese Bereitschaft, dieses Einvernehmen nicht, so wird man sich den anderen Menschen “vom Leib halten”. Hierzu reicht eine abweisende Handbewegung oder ein Zurücktreten um einen Schritt vollkommen aus. Die Gesprächsthemen in dieser Zone betreffen immer persönliche Belange, andere, z.B. geschäftliche Themen können nur in der Tagungszone erörtert werden.

Auch in der persönlichen Zone besteht die Gefahr des Sich-Ausweinens. Sobald Sie bemerken, das Ihr Gesprächspartner in diesen Gefühlsbereich abrutscht, führen Sie ihn wieder zum eigentlichen Thema zurück.

Intimzone

Die letzte und zugleich kleinste Zone ist die Intimzone. Diese reicht unmittelbar vom Körper bis zu einer Entfernung von etwa 60 cm. Aber Gerade die Ausmaße dieser Zone können sehr flexibel sein. Die Ausdehnung dieses Bereiches hängt von der jeweiligen Stimmungslage eines Menschen ab. Ist er in sich zurückgezogen, so wird die Intimzone wesentlich kleiner sein, als wenn der Betreffende sich in einem vertrauten Gespräch mit einem Freund befindet.

Und: Steht der Mensch schon dem Eintreten eines Fremden in seine persönliche Zone recht zurückhaltend gegenüber, so wird ein nicht gewolltes Eindringen in die Intimzone als absolut unangenehm empfunden. Ein solcher Fall ist mit der beklemmenden Atmosphäre im Fahrstuhl vergleichbar. Aufgrund des kleinen und sehr begrenzten Raumes wird das Eindringen in die Intimzone immer auf Gegenseitigkeit beruhen. Das heißt: Indem Ihr Gesprächspartner in Ihre Intimzone eindringt, gelangen auch Sie gleichzeitig in seine erste Zone.

Abgewehrt wird ein solches Eindringen meist durch eisernes Schweigen und einen starren, harten Blick. Gespräche ersterben plötzlich oder kommen erst gar nicht zustande.

Machen Sie sich klar: Diese Zone ist das Heiligtum eines jeden Menschen, und sie muss auch entsprechend behandelt werden. Ein Eindringen in diese Zone darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Betreffenden vorgenommen werden (wie beispielsweise bei sexueller Annäherung). Gespräche können in diesem Bereich nur sehr mühsam, oft auch gar nicht geführt werden.

Dem Eintritt in die Intimzone muss besondere Beachtung beigemessen werden!

Ein Beispiel:

In der Diskothek. Ein junger Mann widmet seine ganze Aufmerksamkeit einer jungen Dame. Nach reiflicher Überlegung steht er auf und geht direkt – quer über die Tanzfläche – auf die junge Dame zu. Er bleibt 10 cm vor ihrem Gesicht stehen. Auf seine Frage: ‘Tanzen wir?” bekommt er ein klares “Nein, danke!” zur Antwort.

In der Diskothek. Ein junger Mann findet an einer bestimmten jungen Dame besonderen Gefallen. Ohne lange zu überlegen, schlendert er durch die Menschenmenge in der Diskothek – die junge Dame nicht beachtend. Wie es der “Zufall” will, stößt er im Vorbeigehen ‘Versehentlich” mit der jungen Dame zusammen, entschuldigt sich höflich – und bietet als Entschädigung einen Tanz an. Die Antwort der überraschten jungen Dame ist: “Ja, gerne!”

Worin liegt der Unterschied zwischen den beiden Verhaltensweisen? Der eine Mensch wusste von den Persönlichkeitszonen – der andere nicht. Wenn Sie in die Intimzone eines Menschen eindringen, ihm also näher als etwa 60 cm kommen (wie dies beim Tanz oder auch schon bei der Aufforderung zum Tanz erforderlich ist), so müssen Sie der Art des Eindringens besondere Aufmerksamkeit schenken.

Oberste Regel: Gehen Sie nie direkt auf einen Menschen zu! Allein schon durch dieses frontale Vorgehen wird bei dem Betroffenen ein unangenehmer Eindruck erweckt. Er denkt: “Der Mensch, der da auf mich zukommt, will bestimmt etwas von mir.” Und da Menschen in unserer heutigen Zeit zwar gern etwas nehmen, aber nur äußerst ungern etwas geben, kann man bei einer direkten Annäherung von vornherein mit einer ablehnenden Haltung rechnen.

Machen Sie den Test: Gehen Sie auf jemanden in Ihrer Nähe geradewegs zu. Bleiben Sie erst kurz vor der betreffenden Person stehen. Sie werden sehen, dass der Betroffene sich unwillkürlich nach hinten beugt oder einen Schritt zurückgeht.

Versuchen Sie auch folgendes: Gehen Sie an jemandem vorbei. Kurz nach dem Passieren drehen Sie sich um und sprechen ihn scheinbar beiläufig an. Sie werden feststellen: Bei der Beachtung dieser Regeln werden sich Ihnen Tür und Tor öffnen. Das Gefühl der Störung, des ungebetenen Eindringens ist bei den Gesprächspartnern verschwunden. Es weicht einem Gefühl der freudigen Überraschung. Wollen Sie ein vertrauliches Gespräch führen, dann treten Sie einen Schritt zurück und begeben sich wieder in die Zone 2, die persönliche Zone.

Sie müssen jeden Menschen so behandeln, wie Sie selbst gerne behandelt werden würden. Dazu gehört auch das wechselseitige Akzeptieren der verschiedenen Persönlichkeitszonen.

Wenn Sie, sich Ihren Mitmenschen gegenüber dementsprechend verhalten, werden Sie feststellen, dass Ihre Fähigkeit, mit Menschen in Kontakt zu kommen, sich mit ihnen zu verständigen, sie zu verstehen, gewaltig ansteigt.

Bedenken Sie: Jedes Gesprächsthema muss in der entsprechenden Persönlichkeitszone abgehandelt werden!

Jeden Erfolg, den man erzielt,
schafft einen Feind.
Man muss mittelmäßig sein,
wenn man beliebt sein will.“
Oscar Wilde

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