Kommunikation – Lernen Sie, andere Menschen vollständig wahrzunehmen

Bild Quelle: pixabay.com

Einen Menschen oder einen Gegenstand vollständig wahrzunehmen, heißt:

Ich stelle mich einem Menschen oder einem Gegenstand.

Ich trete ihm gegenüber und schaue ihn an.

Ich begegne ihm selbstbewusst. Ich versuche nicht, seinem Blick auszuweichen.

Ich bin mir der Bedeutung dieser Begegnung bewusst. Ich habe mich auf diese “Vollständige Wahrnehmung” eingestellt, ich bin geistesgegenwärtig und konzentriert.

Ich widme meinem Gegenüber volle Aufmerksamkeit.

Sie sind der Auslöser, der Verursacher dieser “Vollständigen Wahrnehmung”. Sie richten Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Geistesgegenwart auf die Person, die Ihnen gegenübersteht. Sie begegnen diesem Mitmenschen. Sie schauen ihm direkt in die Augen. Sie haben sich voll auf diese Begegnung konzentriert.

Duplizieren Sie richtig

Das Duplikat ist, aus dem Lateinischen übersetzt, die Abschrift, der Durchschlag oder die Kopie eines Schriftstückes.

Wir wollen im weiteren Verlauf unter dem Begriff “Duplizieren” folgendes verstehen: Duplizieren heisst, das, was unser Gesprächspartner mitteilen, was er zum Ausdruck bringen will, so zu verstehen, so zu empfangen und einzuordnen, wie er es tatsächlich gemeint hat.

Denn: Es ist eine Grundvoraussetzung der gegenseitigen Verständigung, dass die beiden Gesprächspartner die Wörter und Begriffe, die sie verwenden, in gleicher Weise auffassen, in gleicher Weise verstehen und deuten.

Die Bedeutung dieses Gleichklangs, dieser gleichartigen Wahrnehmung, wird uns dann bewusst, wenn wir die drei Elemente erkennen, die Bestandteil jedes Gesprächs sind:

  1. Der Sprecher A will seinem Gesprächspartner einen Gedanken übermitteln. Zu diesem Zweck drückt er sein geistiges Bild in Worten aus.
  2. Der Empfänger B hört, was A gesagt hat. {Er muss allerdings genau und aufmerksam zuhören.)
  3. Aufgabe des Empfängers ist es nun, die empfangene Botschaft zu begreifen und einzuordnen. Er muss den Sinn der Nachricht entschlüsseln, er muss wissen, was A mit diesen Worten zum Ausdruck bringen wollte.

Um sich diesen Prozess vor Augen zu führen, studieren Sie bitte nochmals das vorher erwähnte Beispiel eines Gesprächsablaufes. Die drei Vorgänge laufen während eines Gesprächs in Sekundenschnelle ab, ohne dass wir uns ihrer Bedeutung bewusst wären.

Die Unterhaltung mit anderen Menschen mag uns leicht und selbstverständlich vorkommen. Aber: Der Prozess der gegenseitigen Verständigung und mit ihm die drei genannten Elemente sind sehr störanfällig.

Grundvoraussetzung ist zunächst: Wir müssen aufmerksam zuhören, um Ungenauigkeiten und Missverständnisse in der Gedankenübermittlung zu vermeiden.

Aber der Prozess der Verständigung geht weit über dieses rein akustische Verstehen hinaus: Wir müssen erfassen, welche Vorstellungen unser Gesprächspartner mit seinen Worten verbindet, wir müssen dazu in der Lage sein, die Botschaft, die er mit Worten verschlüsselt hat, unsererseits wieder zu entschlüsseln.

Wir müssen lernen, richtig zu duplizieren. Wir müssen versuchen, eine Übereinstimmung herzustellen zwischen dem, was unser Gegenüber gemeint hat, und dem, was wir seinen Worten entnommen haben. Nur wenn diese Übereinstimmung der gleichen Gedanken und Vorstellungen vorliegt, nur dann können wir von gegenseitigem Verständnis sprechen.

Die Übung Duplizieren

wird uns diesem Ziel näherbringen.

Die Voraussetzung:

Sie müssen die Übung gemeinsam mit einem Partner durchführen, der darüber informiert ist, was “Duplizieren” heißt. Setzen Sie sich diesem Partner gegenüber.

Der erste Schritt:

Ihr Gesprächspartner soll einen beliebigen Satz sprechen. Ihre Aufgabe besteht nun darin, diesen Satz wortwörtlich zu wiederholen. Sie müssen diesen Satz so sprechen, als stamme er von Ihnen selbst, als sei es Ihr eigener Satz. Während dieser genauen Wiederholung überwacht Ihr Partner, ob Sie seine Sätze richtig duplizieren.

Sie werden merken, dass schon die wörtliche Wiedergabe des Gehörten nicht immer ganz einfach ist, besonders dann nicht, wenn die Sätze Ihres Partners etwas länger und verschachtelter sind.

Der zweite Schritt:

Die wörtliche Wiedergabe, das genaue Zuhören und entsprechende Wiederholen der Worte allein garantiert aber noch kein vollkommenes und richtiges Duplizieren. Sie haben damit eine entscheidende Voraussetzung erfüllt, das steht außer Zweifel. Aber es ist damit noch nicht gewährleistet, dass Sie die Gedanken und Absichten Ihres Gesprächspartners auch wirklich verstanden haben.

Deshalb gilt es, folgendermaßen fortzufahren:

Wenn Sie ein bestimmtes Wort zwar akustisch verstanden haben, aber nicht dazu in der Lage sind, seine volle Bedeutung zu erfassen, dann muss es Ihr Ziel sein, diesen Begriff einzugrenzen, ihn näher zu bestimmen, seinen wahren Inhalt zu erkennen.

Sie müssen Ihrem Partner entsprechende Rückfragen stellen, Sie müssen weitere Informationen zu diesem Begriff erbitten, bis es Ihnen tatsächlich gelingt, den Begriff richtig zu duplizieren. In solchen Fällen kann es nützlich sein, ein Wörterbuch zu Rate zu ziehen.

Und: Wenn in einem der Sätze Ihres Partners ein Wort auftaucht, das Ihnen bisher unbekannt war, dann sollten Sie, nachdem Sie die Bedeutung des Begriffs erfasst haben, zunächst einige Übungssätze mit diesem neuen Wort bilden. Nur so ist gewährleistet, dass Sie sich den Begriff auch wirklich zu eigen machen. Fahren Sie erst dann wieder mit der eigentlichen Übung fort, nachdem Sie diese Probesätze zusammengestellt haben.

Wir können den Aufbau eines guten VNR-Dreiecks in vier Punkten zusammenfassen:

  1. Aufmerksames und konzentriertes Zuhören. Die anschließende Bestätigung.
  2. Die bedingungslose Absicht, kommunizieren zu wollen.
  3. Das “Vollständige Wahrnehmen”.
  4. Das richtige Duplizieren.

„Wenn wir uns von unseren Träumen leiten lassen,
wird der Erfolg all unsere Erwartungen übertreffen.“
Henry David Thoreau

„Dieses Buch wird Ihr Leben für immer verändern“