Das Geheimnis der Polarität und Einheit – Wir leben in einer polaren Welt

Wir leben in einer polaren Welt

Befassen wir uns nun mit der Grundstruktur. Der Mensch befindet sich zunächst automatisch in der Polarität. Es ist geradezu “normal”, daß alles polar ist. Dieses “Entweder-Oder” bestimmt unser Leben.

Alles besteht aus Gegensätzlichkeiten. Es gibt Gutes und Böses, Schönes und Hässliches, Aufbauendes und Zerstörendes. Alles Wahrnehmbare lässt sich generell verschieden bewerten. Die Existenz einer Einheit erscheint undenkbar.

Offensichtlich muss es sich hierbei aber um einen Trugschluss handeln. Denn bevor eine Polarität entstand, muss zunächst eine Einheit vorhanden gewesen sein. Aus dieser Einheit sind dann die Gegensätzlichkeiten erst entsprungen. So muss vor der Zahl Zwei die Zahl Eins vorhanden gewesen sein.

Denn: Ohne die Zahl Eins gibt es keine Zwei. Und umgekehrt. Beide bedingen sich gegenseitig. Die Menge Zwei ist nur wahrnehmbar, wenn wir die Menge Eins schon kennen.

Noch deutlicher wird dies auf der geometrischen Ebene. Das geometrische Symbol der Zahl Eins ist ein Punkt.  Der Punkt innerhalb des Quadrates ist nicht wahrnehmbar. Ein Punkt besitzt weder räumliche noch flächige Ausdehnung, sonst wäre er eine Kugel oder eine Scheibe. Ein Punkt besitzt keine Dimension. Hier beginnen die Schranken des menschlichen Geistes.

Aus normaler Sicht ist es nicht möglich, sich einen Punkt ohne räumliche Ausdehnung vorzustellen. Andererseits ist völlig klar, dass es eine Zwei nur geben kann, wo eine Eins vorhanden ist. Dies drückt sich auch schon in dem Wort Universum aus. Allen Dingen ist die Einheit ursprünglich. Deshalb heißt das Universum auch Uni-versum und nicht Multiversum.

Wir haben keinen Anschluss zur Einheit. Wir können sie formulieren, aber nicht denken. Der “Punkt” hat keinen Ort, keine Dimension und ist somit nicht vorstellbar. Denn was auch immer wir uns vorstellen, und mag der Punkt auch noch so klein sein, hat immer Form, hat Polarität, hat Größe.

Gerade auf dieses Unterscheidungsvermögen sind wir aber sehr stolz:

so oder so
+ oder
Mann oder Frau
hell oder dunkel
gut oder böse

Wir müssen uns immer mit einem Pol identifizieren! Beide Pole bedingen sich aber gegenseitig. Licht kann es nur dort geben, wo man auch die Dunkelheit kennt. Als schön kann etwas nur dann empfunden werden, wenn man auch das Gegenteil, das Hässliche kennt. Dies gilt auch für die Gesundheit. Gesundheit kann es nur dort geben, wo Krankheit ist. Gesundheit ist von Krankheit abhängig. Und Krankheit von Gesundheit.

Frieden bedingt Krieg. Es kann keinen vollkommenen Frieden geben. Trotzdem wehren sich die Menschen ständig gegen den Krieg. Sie tun alles, um Krieg zu vermeiden. Sie “kämpfen” sogar für den Frieden.

Das deutlichste Beispiel für die Polarität ist die Atmung. Atmung ist das Urprinzip der Polarität. Niemand kann ausatmen, ohne vorher eingeatmet zu haben. Und umgekehrt. Der erste Atemzug bindet uns an die Polarität.

Deshalb rechnen auch manche Astrologen die Geburtsminute nicht nach der tatsächlichen Geburt, sondern nach dem ersten Atemzug. Mit dem ersten Atemzug tritt man in die Welt der Polarität ein. Mit dem letzten Atemzug verlässt man sie wieder.

Der eine Pol erzwingt den anderen Pol
Einatmen erzwingt ausatmen Gesundheit erzwingt Krankheit Frieden erzwingt Krieg Leben erzwingt Tod

Ausatmen erzwingt einatmen Krankheit erzwingt Gesundheit Krieg erzwingt Frieden Tod erzwingt Leben

Leben ist Rhythmus. Rhythmus ist Leben. Ändert man den Rhythmus, nimmt man beispielsweise die Einatmen-Phase weg, stirbt das GESAMTE Leben. Der eine Pol erzwingt den anderen Pol – beide bedingen sich gegenseitig. Man kann also ohne weiteres sagen:Gegensätze schließen sich NICHT aus! Sie schließen sich höchstens Zeitlich aus!

Bewertung
Durch die Polarität glauben wir uns für eine Seite des Pols entscheiden zu müssen -und nehmen damit eine BEWERTUNG vor. Aber: Für die Bewertung einer Aussage ist immer der Standpunkt des Betrachters ausschlaggebend.

Formel: C = neutral = A = positiv = B = negativ

A kann B nicht verstehen.

B kann A nicht verstehen.

A kann C nicht verstehen.

B kann C nicht verstehen.

Aber: C kann A und B verstehen.

Um ein praktisches Beispiel zu haben, setzen wir für A Einatmen, für B Ausatmen und für C Atmung ein.

Einatmen kann Ausatmen nicht verstehen. Ausatmen kann Einatmen nicht verstehen. Einatmen kann Atmung nicht verstehen. Ausatmen kann Atmung nicht verstehen. Aber: Atmung kann Einatmen und Ausatmen verstehen.

Ein einfaches Beispiel, das aber zeigt, wie wichtig das Verständnis der Polarität ist. Das Einatmen kann das Ausatmen nie verstehen, beide werden nie eine gemeinsame Basis finden können, weil sie absolute Gegensätze darstellen. Erst aus der Sicht eines neutralen Beobachters sind die absoluten Gegensätze als Einheit begreifbar.

Standpunkt C ist immer die Einheit, der Punkt, aus dem A und B hervorgehen.

Nur durch das Suchen dieses neutralen Standpunktes kann man der Polarität entkommen. Vor dem Suchen nach dem neutralen Punkt steht aber zunächst das Erkennen der Polarität.

Wie viele Menschen, Gruppen, Parteien, Völker und Nationen glauben, dass ihre Meinung die einzig richtige und wahre ist? Die Theorie der Herrenrasse ist dafür wohl das beste Beispiel. Erst ein lnfragestellen der eigenen, subjektiven Sicht ermöglicht die Befreiung aus einer Fixierung.

Wir sind damit an einem Wendepunkt der Lebenseinstellung angekommen. Jede Aussage kann immer nur ein Teil der ganzen Wahrheit sein. Um die ganze Wahrheit auszudrücken, müssen beide Pole, Punkt A und Punkt B, angesprochen werden.

Der Mensch aber verhält sich genau entgegengesetzt. Allein seine Ansicht ist angeblich die seligmachende. Ja, der Mensch geht soweit, im Namen der Einigkeit (Gott) zu sprechen. Beide Pole leben aber voneinander. Es ist nicht möglich, den einen Pol zu isolieren und damit auf den anderen Pol zu verzichten. Anders ausgedrückt: Gegensätze gehören zusammen!

Und dennoch versuchten Menschen seit Tausenden von Jahren, bestimmte Pole zu isolieren. Sie wollen die Gesundheit- und die Krankheit aus der Welt schaffen. Sie wollen das Gute – aber das Böse aus der Welt schaffen. Sie wollen den Frieden – und den Krieg aus der Welt schaffen.
Doch dies ist der völlig falsche Weg. Die Aufgabe eines Menschen besteht vielmehr darin, die GANZHEIT wieder herzustellen.

Der Zustand der Un-Unterschiedenheit, die Polarität der Polarität ist die EINHEIT. Schon die Bibel verwendet den Begriff des All-einigen; jener, in dem alle Gegensätze ruhen. Dies aber können wir uns nicht vorstellen, da unser Bewusstsein polar ist.

In der Religion wird die Einheit meist “Gott” genannt:

Gott, der All-einige
Gott, das all-umfassende Prinzip
Gott, aus dem alles hervorgeht.

Da eine Einheit vor der Polarität vorhanden sein muss, ist Gott keine Glaubensfrage. Man kann sich über seine “Form” streiten, nicht aber, DASS er existiert. Die Vorstufe der Polarität, die Einheit, ist zwingend.

Versuchen Sie aus diesem Blickwinkel einmal die Gott-Interpretationen mancher Religionen zu sehen:

Wenn Gott “liebt”, ist er nicht mehr die Einheit, wenn Gott “rächend” ist, ist er nicht mehr die Einheit.

Wie auch immer der Mensch sich Gott vorstellt – er hat eine FALSCHE Vorstellung davon. Die Einheit ist, wie wir bereits ausführlich besprochen haben, nicht vorstellbar. Deshalb heißt es auch im Judentum: “Du sollst dir kein Bildnis von Gott machen…”

Der Weg zur Einheit

Alle großen Philosophen, alle Religionen versuchen deshalb letztendlich, den Menschen den Weg aus der Polarität in die Einheit zu weisen.

Ein Beispiel: In China ist das ‘Tao” gleichzeitig das “allumfassende” sowie auch das “Nichts”. Erst die Spaltung des Tao in “Yin” und “Yang” spiegelt die Polarität wider.

Und hier finden wir die große Aufgabe einer jeden esoterischen Einweihungsschule:

  1. Dem Schüler das Erkennen der Polarität nahezubringen
  2. Dem Schüler die Rückkehr in die Einheit zu ermöglichen
    In früheren Zeiten war der Mensch eher gewohnt, ganzheitlich zu denken.

In Begriffen, Worten war die Einheit noch enthalten.

Einige Beispiele:

lateinisch: sikus – trocken sukus – Saft
deutsch: stumm / Stimme wieder / wider
griechisch: Pharmakon – ebenso Gift wie Heilmittel
englisch: without – mit/ohne

heute: ohne Kausalität- Die Suche nach der Ursache

Wir alle kennen das Gesetz von “Ursache und Wirkung”.

Betrachtet man dieses Gesetz aber näher, so muss man sich einige weitergehende Fragen stellen. Wenn Sie beispielsweise sagen: “Ich muss heute früher die Party verlassen, weil mein Zug früher fährt”, wird eine Handlung in der ZUKUNFT zur Ursache einer Handlung in der Gegenwart.

Ein weiteres Beispiel: Wenn Sie in einen Zigarettenautomaten Geld einwerfen, kommt eine Schachtel Zigaretten heraus. Die Wirkungsursache ist sehr wohl der Geldeinwurf -die eigentliche Ursache aber der Wille zum Rauchen.

Ursachendenken ist deshalb sehr wohl immer von ZWEI Polen aus zu sehen: Aus der Vergangenheit und der ZUKUNFT!

Leuchten diese Beispiele noch gut ein, wird es in einem anderen Bereich schon komplexer. Haben Sie je einen Mediziner sagen hören: Dieser Mensch ist erkrankt, um in der Zukunft zu einer höheren Erkenntnis zu kommen… Jeder Mediziner würde über eine solche Aussage nur den Kopf schütteln. Zeit existiert in diesem Sinne nicht, sie ist nur ein Teil unseres Bewusstseins, ebenso wie der Raum.

Lassen Sie uns dies kurz graphisch darstellen:

Vergangenheit – Jetzt – Zukunft

Wie wir aber aus der Geometrie wissen, gibt es keine geraden Linien; es gibt keine Parallelen. Jede Linie ist in Wirklichkeit der Ausschnitt eines Kreisbogens.

Vergangenheit und Zukunft treffen sich irgendwann! Wir gehen auf unsere eigene Vergangenheit zu. Was ist also nun die WAHRE Ursache?
Was die Ursache der Ursache? Was war zuerst: Die Henne oder das Ei?
Lineares Denken ist bei der Suche nach der wahren Ursache nicht möglich, wir müssen Ursachendenken immer von den beiden Polen Vergangenheit UND Zukunft aus sehen.

ICH” – Das Ego des Menschen

Indem der Mensch “Ich” sagt, spaltet er sich vom All-einigen ab. Gerade dies aber macht ihn unheil, etwas fehlt immer – er ist gespalten, er befindet sich in Ver-zwei-flung.

Ständig steht der Mensch vor der Frage: Was mache ich jetzt? Das oder das?

Ganz offensichtlich ist die Lösung dieses Problems sehr einfach: Ein Verlassen der Polarität. Was aber hält uns fest in dieser Polarität?

Das ICH” – Wir selbst haben eine Grenzlinie gezogen – der “Erkenntnis” wegen. Erkenntnis aber braucht Polarität: Subjekt und Objekt; Erkennenden und Erkanntes.

ICH und NICHT-ICH
ICH und die UMWELT

Dieses aber, unser ICH, kann nicht in die Einheit eingehen! Lassen Sie uns dies in einen Beipiel darstellen:

Selbst Ich –  ICH = Grenze, Abgrenzung, Ausschnitt von allem SELBST = Alles, die Einheit

Aber: Jedes ICH ist aufgebaut auf dem SELBST. Wenn also alle ICHS ihr SELBST finden würden, fänden sie alle das GLEICHE SELBST!

Das EGO aber grenzt uns ab. Unser Ziel heißt deshalb: Bewusstseins-Erweiterung!

Selbst X Ich – Indem wir dazulernen, uns neuen Dingen gegenüber öffnen, Dinge, die uns heute noch als “fremd” erscheinen, “hereinlassen”, weiten wir unser Bewusstsein aus. War das “X” uns vorher noch fremd, außerhalb von uns, ist es jetzt in unserem ICH enthalten. Es ist ein Teil von uns geworden.

Das Ende besteht schließlich darin, auf JEDE Grenze zu verzichten – bis es kein ICH mehr gibt! Und hier – genau an diesem Punkt – hört der “Spaß” der esoterischen Einweihung dann auf. Schließlich hat man viel Geld ausgegeben, um sich esoterisch “einweihen” zu lassen – man hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um ein “Weiser” zu werden, besser zu werden als die anderen, man will ein besonderes ICH sein, besser, klüger, toller- man will über den anderen stehen – sich ABGRENZEN von der “dummen Masse”…

Wie oft habe ich auf meinen Seminaren oder in Gesprächen Menschen getroffen, die durch ein “bisschen” Einweihung extrem arrogant wurden, sich selbst als die “Erleuchteten” ansahen und den Rest der Bevölkerung als “Affen im Urwald”. Und sich damit in erheblichen Umfang ABGRENZTEN – mehr als je zuvor.

Auf diesem Wege ist keine wahre Erleuchtung möglich. Wahre Erleuchtung bedeutet immer ein Aufgeben des ICHS, des EGOS, der PERSÖNLICHKEIT. Denn das EGO kann nicht erleuchtet werden, es kann nicht in die Einheit eingehen.

Das EGO muss sterben -um in die Einheit einzugehen! Um wie ein Phönix aus der Asche in eine neue Dimension einzutreten. Natürlich will das EGO aber nicht sterben. Um das EGO nicht zu gefährden, werden die Urlehren der Religionen einfach umformuliert. Denn auf unser EGO, unsere PERSÖNLICHKEIT, sind wir ja so stolz…

Und dennoch ist es auf dem Weg einer wahren Bewusstseins-Erweiterung notwendig, . das EGO sterben zu lassen. Wir müssen jede Grenze aufgeben, alles hereinlassen -und sei es noch so fremd. Das würde ich nie tun… grenzt uns bereits wieder ab. Wir müssen jede Unterscheidung aufgeben, uns mit allem identifizieren. SELBSTerkenntnis ist nicht ICHerkenntnis.

Der Satz über dem Tempel von Delphi muss richtig verstanden werden:

Nicht: Erkenne dich selbst! Sondern: Erkenne dich, SELBST!

Wir müssen uns in ALLEM selbst sehen, auch oder gerade in dem Negativen, das wir so bekämpfen – gerade deshalb, weil wir es nicht hereinlassen wollen… Der Begriff der “Sünde”, wie er in der Theologie heute Verwendung findet, hat nichts mit dem ursprünglichen Begriff mehr zu tun.

Das griechische Wort für Sünde hat auch die Bedeutung von “den Punkt nicht treffen; das Ziel verfehlen”. Sünde meint damit ursprünglich “nicht im Punkt sein”, abgesondert sein von der Einheit. Sünde hat in diesem Sinne nichts mit ‘TUN” an sich zu tun. Alles, was wir TUN, ist sündig, da wir in einer polaren Welt leben. Sünde hat nichts mit ”Schuld” zu tun, sondern “sündig” sein bedeutet, nicht in der Einheit zu sein.

Dies spiegelt sich auch in der griechischen Tragödie wider: Der Mensch muss sich immer entscheiden; aber wie er sich auch immer entscheidet – er wird schuldig.

Wahre Liebe

Betrachten wir die Urlehren der Religionen, so finden wir stets die Draufgabe einer jeden Religion: Den Menschen zu helfen, wieder in die Einheit eingehen zu können. Einer der besten Religionslehrer war sicher Jesus: Er zeigte den Weg auf, um von der Polarität wieder in die Einheit einzugehen (oder in das Himmelreich, wie er es nannte).

Bezeichnend ist, dass weder er noch andere große Religionslehrer jemals davon gesprochen haben, DIESE Welt zu verbessern. Sie haben jeweils nur aufgerufen, zur Einheit zurückzukehren.

Verstehen wir uns richtig: Das EINEN der Pole ist KEINE Weltflucht – das wäre bereits wieder eine Polarisierung. Wie so oft liegt die Wahrheit in der Mitte: Die Lösung besteht darin, die Welt zu BENUTZEN, um sie zu VERLASSEN.

Es ist wie mit einem Buch: Wenn ich weiss, was in einem Buch steht, ist das Buch unwichtig geworden. Es wäre unsinning, danach das Buch auf einen Altar zu stellen und es wie eine Gottheit zu verehren. In diesem Sinne sollen wir das “ICH” BENUTZEN, um vom “ICH” FREI ZU WERDEN!

Die Welt der “Formen” zu benutzen, um zu den “Inhalten” zu kommen.
Wie aber kann man Gegensätze verbinden, vereinen? Sehen Sie nach, alle Religionen kennen dafür nur einen Weg! Das Hilfsmittel ist die LIEBE.

Liebe bedeutet ein HEREINLASSEN, ein ÖFFNEN der ICH-Grenzen. Wenn Sie sich ständig durch die Liebe erweitern, sind Sie automatisch dadurch einmal mit ALLEM EINS! Sehen wir uns dies am Beispiel der körperlichen Liebe genauer an. Zwei Menschen, zwei Polaritäten, zwei Gegensätze versuchen, zu einer Einheit zu “verschmelzen” und “eins” zu werden.

Dadurch wird ein Bewusstseinszustand erreicht, der unerklärbar ist. In allen Kulturen unserer Welt wird der Orgasmus als etwas Positives gewertet.

Denken Sie einmal darüber nach:

Wie lange dauert ein Orgasmus? Welches Gefühl ist ein Orgasmus?
Wie Sie sehen, sind diese Fragen nicht ausreichend zu beantworten.

Der Nachteil dieser körperlichen “Ver-ein-igung”: Da die Einheit über die Materie erlebt wird, gelten damit auch die Gesetze der Materie, sprich Zeit. Je weiter unten Liebe angesiedelt ist, desto verhafteter ist sie auch.

Ich liebe den…
Ich liebe das…

Diese Form von “EGO-Liebe” öffnet zwar auch – aber grenzt sich dann gleich wieder ab.

Kosmische Liebe bedeutet, ALLES hereinzulassen. “Liebe deine Feinde.” Obwohl das EGO dagegen ist, lässt wahre Liebe gerade dies herein.

Und wahre Liebe fordert nie Besitzansprüche, kennt keine Eifersucht, keine Treue. ”Liebe nur mich…” ist falsch verstandene Liebe. Auch die Frage “Liebst du mich?” ist . unwichtig. Es tut zwar gut, geliebt zu werden, aber wichtig ist die EIGENE Liebesfähigkeit.

Eine weitaus höher angesiedelte Liebe ist die “Mutterliebe”. Dabei handelt es sich um eine aufgebende, umfassende Liebe. GOTT nun liebt alle. Er geht nicht “fremd”, wenn er auch andere liebt. Es ist eine Form von “totaler Liebe”. In dem Satz “Die Sonne geht für alle auf” finden wir eine Symbolisierung dieser Gottes-Liebe. Liebe will ausströmen, will eins werden mit ALLEM, was ist.

Irdische Liebe hingegen führt zum Verhaften. Aus Liebe wird Hass…

Eine kleine Geschichte:

Ein Asket sitzt in einer Höhle. Da kommt eine Maus und knabbert an seinen Schuhsohlen. Weshalb knabberst Du an meinen Schuhsohlen?” fragt der Asket. Ich habe Hunger”, antwortet die Maus.

“Geh weg, ich will mich mit Gott vereinigen!” ruft der Asket. Darauf die Maus: “Wie willst Du Dich mit Gott vereinigen, wenn Du Dich nicht einmal mit mir vereinigen kannst…?” Alles klar?

Liebe verdrängt nicht, sondern nimmt alles herein, erkennt, dass alles nur “Maya”, Illusion, war. Die Religionen wollen den Menschen dem Heil zuführen, wollen ihn “erlösen”. Betrachten Sie das letzte Wort noch einmal sorgfältig. Nun müssen wir aber alle Religionen unterscheiden nach – Inhalt und – Form.

Jede Form ist dabei Ausdruck eines Inhalts. Dadurch komme ich aber durch jede Form in Berührung mit dem Inhalt. Die Welt der Formen ist die Kontaktstelle zum Unsichtbaren.

Oder wie es Goethe ausgedrückt hat: Alles Sichtbare ist nur ein Gleichnis.

Das heißt: HINTER der Form ist die Wirklichkeit! Die Form ist die Spiegelung, Maya. Innerhalb der Formen kann keine Erlösung stattfinden. Haben nun Menschen den Weg aus der Polarität in die Einheit geschafft, Erleuchtung erlangt, und wollen auch anderen Menschen helfen, dies zu erreichen, stehen sie vor einem gewaltigen Problem: Wie soll man mit Sprache, die ja polar ist, die Einheit, die sich jeder Beschreibung entzieht, erläutern? Seit Urzeiten verwendeten deshalb Menschen, die diese Erfahrung gemacht hatten, dazu Symbole, Formen und Bilder. •

Aber: Diese Symbole, Formen und Bilder können höchstens MITTLER sein! In dem Maße, wie eine Religionsgemeinschaft größer wird, werden die Symbole oft missverstanden, wörtlich genommen. Und dadurch verlieren sie ihren wahren Inhalt, verlieren die Heilslehre. Esoterik wird dann zur Exoterik.

Deshalb steht Esoterik nicht außerhalb der Religionen, Esoterik IST Religion! Mit einem Unterschied: Esoterik will den Pfad zur Einheit aktiv beschreiten. Betrachtet man die Ur lehren aller großer Religionslehrer, stellt man fest, dass im Kern alle das gleiche gelehrt haben.

Menschen sind aber zumeist in Formen verhaftet. Betrachtet man aber nur die Form, kann man Religionen “vergleichen”. Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Raum mit verschiedenen Schachteln als Symbol für die verschiedenen Religionen. Es gibt große Schachteln, kleine Schachteln, schöne Schachteln und weniger schöne Schachteln. Nun kann man sich über die Form und die Aufmachung der Schachteln sehr wohl streiten.

Würde man aber alle Schachteln öffnen, so könnte man leicht feststellen, dass alle Schachteln den GLEICHEN INHALT haben!

Nehmen wir als Beispiel das Christentum: War die Bibel ursprünglich in Griechisch verfasst, wurde sie dann, aufgrund der offiziellen römischen Kirchensprache, ins Lateinische übersetzt. Luther übersetzte später die Bibel vom Lateinischen ins Deutsche. Können Sie sich vorstellen, welche Übersetzungsfehler dabei entstehen können? Gerade in bezug auf missverstandene Symbole oder Wörter.

Würde jemand in einigen tausend Jahren eine alte Bibel bei Ausgrabungen finden, wie würde er dann wohl den Begriff des “Kirchenschiffes” verstehen?

Jede Religion kann man in die uns bereits bekannten Bereiche Geist, Seele und Körper aufteilen:

Körper: Dies entspräche der äußeren Begebenheit, im Falle der Bibel die historische Geschichte

Seele: Hier finden wir die wichtigste Ebene, auf der durch einen psychischen Prozess die Umsetzung der Erkenntnis stattfindet

Geist: Dem Geist würde das transzendente Ur muster entsprechen.

Betrachtet man nur, wie es zumeist geschieht, die Körper-Ebene, also das historische Geschehen, beraubt man damit die Religion ihrer Heilswirkung. Diese Religion wurde damit zur einer materiellen, exoterischen Religion.

Das Christentum in seiner wahren Bedeutung

Die Geist-Ebene entspricht also der Einheit. Betrachten wir nur das historische Geschehen, bewegen wir uns bereits wieder in der Welt der Polarität. Schöpfung ist polar.

Denken Sie einmal ausführlich über folgende Frage nach:

Wo ist eigentlich die Polarität? Wo ist die Schöpfung? Innerhalb der Einheit? Oder außerhalb der Einheit? Nun, innerhalb der Einheit ist es nicht möglich, sonst wäre es ja keine Einheit. Außerhalb ist es aber auch nicht möglich, sonst wäre es ja wieder keine Einheit (drinnen/draußen).

Die Antwort ist einfach:

Polarität existiert in Wirklichkeit nicht. Die Schöpfung existiert in Wirklichkeit nicht. Es handelt sich um eine Täuschung, Maya, Illusion!

Dieses Verstehen ist der wichtigste Schritt einer jeden esoterischen Einweihung. Solange diese Ein-sicht nicht vorhanden ist, ist man ein Gefangener der Täuschung. Die Ein-sicht, dass die Welt der Formen in Wirklichkeit gar nicht existiert, dass es sich dabei nur um eine Täuschung, um eine Illusion handelt, bedeutet zugleich die Befreiung von ihr.

Es ist wie mit einem Traum – solange man träumt, ist der Traum sehr real. Wie kann man dieser “Wirklichkeit” entfliehen? Indem man aufwacht!

Deshalb wird dem Begriff der “Erleuchtung” sehr oft auch der Begriff des “Erwachens” gleichgesetzt. Denn: Auch das Uni-versum ist ein Traum!
Wir finden die Symbolik der Abspaltung aus der Einheit vielfach auch im Christentum wieder. Beispiel: Der verlorene Sohn. Er spaltet sich ab bis zur Ver-zwei-flung und kehrt dann wieder zurück.

Die Welt der Formen ist für die Einheit der Tod. Die Materie ist der Sarg Gottes. Indem Gott schöpft, opfert er sich. Gott wird Mensch. Der Mensch aber erlebt sich als “ICH”. Aus diesem Grunde ist jeder Heil weg eine Kampfansage an das Ich, das Ego. Denn Gott wird dadurch gefunden, dass die Gegensätze der Polarität geeint werden.

Der Körper ist das archetypische Muster des SEINS. Von Zeit zu Zeit verdichtet sich die Wahrheit zu materiellem Geschehen, indem es äußere Gestalt annimmt. Thorwald Dethlefsen, meines Erachtens einer der brillantesten Formulierer esoterischer Zusammenhänge unserer Zeit, hat es in einem Seminar am Beispiel vom Leben und Tod Jesu Christi sinngemäß wie folgt erklärt:

Das Leben und der Tod von Jesus Christus ist eine Ritualisierung der Wahrheit. Jesus = der Mensch Christus = Logos, Gott- Bei der Taufe von Jesus kommt es zu einer Auferstehung des Logos. Diese Vereinigung besteht 3 Jahre.

Zu Weihnachten, wenn die Tage am kürzesten und die Nächte am längsten sind, kommt in diese Dunkelheit das Licht. Die Einheit spaltet sich in die Polarität. Fasst man die Lehre von Jesus zu ihrem wahren Kern zusammen, wird der Weg aufgezeigt, wie man die Polarität verlässt, um wieder in die Einheit einzugehen.

Betrachten wir dazu die 7 Tage der Karwoche (in anderen Bereichen finden wir 7 Chakras, 7 Einweihungsstufen usw.).

  1. Tag (Sonntag)
    Jesus reitet auf einem Esel in Jerusalem ein. Da der Esel ein Symbol für den Körper ist, bedeutet dies:Er dringt mit dem Körper in die Materie ein. In Jerusalem wird er als König gefeiert. Dies symbolisiert die Versuchung, den König zu spielen und sich in der Materie zu verlieren. Das “ICH” würde die Kontrolle übernehmen.
  2. Tag (Montag)
    Auf seinem Weg geht Jesus an einem Feigenbaum vorbei und verflucht diesen:“Es soll in Ewigkeit niemand mehr Früchte von dir essen.” Am nächsten Tag ist dieser Baum verdorrt. Denken Sie dabei an das alte Testament: Baum des Lebens/Baum der Erkenntnis. Davon zu essen, symbolisiert, in die Polarität einzutauchen. Im der Bibel gab Eva Adam einen Apfel zu essen.An anderer Stelle heißt es auch: Und sie bedeckten ihre Nacktheit mit den Blättern des gleichen Baumes. Holen Sie sich die Ihnen bekannten Abbildungen dieser Szene ins Gedächtnis… Haben Adam und Eva nicht immer ein Feigenblatt… Wenn es denn ein Apfelbaum war, warum nicht ein Blatt des Apfelbaumes? Die Verfluchung des Feigenbaumes entspricht hier der Symbolik einer Absage an die
    Polarität.
  3. Tag (Dienstag)
    Hier zeigt sich Jesus von einer ganz anderen Seite, als man es eigentlich von ihm erwartet. Er ist kämpferisch, zerstörerisch. Symbolisch findet hier eine Unterscheidung der Polarität statt. Er bejaht die zerstörerischen Kräfte als Teil der Polarität.
  4. Tag (Mittwoch)
    An diesem Tag finden wir den Umschlagpunkt von äußerlich laut zu innerlich leise. Und es wird das Symbol des Rituals aufgezeigt. Es erfolgt die Salbung durch Maria Magdalena. Ein Ritual, als die Verbindung zum Unsichtbaren, wird von Judas, der das Salböl verkaufen will, missverstanden. Er versteht die Bedeutung eines Rituales nicht.
  5. Tag (Donnerstag)
    Passah-Nacht. Abendmahl. Hier nimmt Christus seine Priesterfunktion wahr. Das Ringen mit dem Würgengel im Garten ist kein Ringen mit der Todesangst wie beschrieben, sondern der Kampf mit dem Tod, der einen überfallen will, bevor das Werk vollendet ist.
  6. Tag (Freitag)
    Die Häscher kommen. Jesus wehrt sich nicht. Er befiehlt Petrus, der für ihn kämpfen will, das Schwert wieder einzustecken. (Diesem Impuls, die dunklen Mächte zu bekämpfen, anstatt sich mit ihnen anzufreunden, ist die Petrus-Kirche bis heute treu geblieben.) Jesus aber sagte:Jetzt hat die Finsternis das Wort. Er überwindet das Böse, die Finsternis dadurch, daß er sich mit ihnen vereinigt.

Ein Kampf würde nur zur Spaltung der Einheit führen, wäre ein erneutes Hinab tauchen in die Polarität. Während der Folterung wird die Haut von Jesus verletzt. Dies entspricht einem Initiationsritual. Denn die Haut ist die Grenze des Ichs. Diese Grenze wird geöffnet. Während der Kreuzigung findet sich Jesus zwischen zwei Schachern und muss wieder die Pole in sich vereinigen.

  1. Tag (Samstag)
    Die Auferstehung. Das Erwachen in der Einheit, das Ziel des menschlichen Weges. Die Loslösung vom Kreuz. Der leidende Jesus am Kreuz ist das Symbol des an das Kreuz gebundenen ICHS. Das
    Kreuz wiederum ist das Symbol für Raum und Zeit. Der Schnittpunkt in der Mitte symbolisiert die Einheit.

Der leidende Jesus am Kreuz symbolisiert damit den leidenden Menschen, der an das Kreuz der Illusion von Raum und Zeit genagelt ist.
Die gewaltige Lehre von Christus: Er befreit sich nicht VOM Kreuz (wie alle es erwarten), sondern DURCH das Kreuz.

Im alten Testament windet sich an dem Baum der Erkenntnis die Schlange nach unten, das Böse kommt in die Welt (Polarität). Durch den Baum des Kreuzes wendet sie sich wieder nach oben. Christus ist die Schlange, die aufgerichtet wird.

Satan = abwärts

Christus = aufwärts

Diese Symbolik finden wir auch im Sanskrit wieder: Die zusammengerollte Schlange (Gottheit) muss erweckt werden und wieder nach oben aufsteigen. Der Fall Adams schließt die ganze Welt mit ein, weil Adam in jedem Menschen vorhanden ist (Adam ist der Archetyp des Menschen).

Der zweite Adam ist ebenso in jedem Menschen enthalten: Durch Christus kann es für JEDEN Menschen eine Erlösung geben.

Wer nur den historischen Jesus im Auge hat, tötet den Mythos und die Heilskraft. Nur wer in seiner eigenen Seele den Weg Jesu reproduziert, kann das Geschichtliche zur Gegenwart machen und damit die Zeit überwinden. In jeder Seele muss die Schlange wieder aufgerichtet werden, damit sich das Geheimnis der Wandlung und Vereinigung der Gegensätze ereignen kann. Dann kommt es zur Auferstehung, und die Sonne der Ewigkeit geht auf.

„Wenn man seinen Geldbeutel in seinem Kopf ausleert,
kann einem das niemals weggenommen werden.
Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen.“
Benjamin Franklin

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