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Das Geheimnis menschlicher Verhaltensweisen – Das Eltern-Ich

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child-1837263_960_720 Das Geheimnis menschlicher Verhaltensweisen – Das Eltern-Ich

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Das Eltern-Ich

Im Eltern-Ich sind die Erfahrungen und Wahrnehmungen gespeichert, die ein Mensch in den ersten fünf bis sechs Lebensjahren gemacht hat. Der Begriff Eltern-Ich soll darauf hindeuten, dass es sich dabei im wesentlichen um Verhaltensweisen und Redensarten, um Regeln und Gesten handelt, die das Kleinkind bei der Beobachtung seiner Eltern oder anderer ihm nahe stehender Erwachsener wahrgenommen und gehört hat.

In diesem Bereich finden sich alle Lebensregeln, alle Gebote und Verbote, die dem Kind in den ersten Jahren nahegelegt wurden. Im Eltern-Ich sind auch so alltägliche Gewohnheiten wie beispielsweise Tischmanieren gespeichert, einfache Verrichtungen wie das Zuknöpfen eines Hemdes oder das Binden eines Schnürsenkels.

Diese Verhaltensweisen, die wir uns durch Beobachtung oder Nachahmung angeeignet haben, ermöglichen es uns, in vielen Situationen des Alltags automatisch zu reagieren. Wir brauchen nicht mehr lange nachzudenken, wir probieren vieles erst gar nicht mehr aus, weil uns dafür eine vorgegebene Lösung an die Hand gegeben wurde.

Einige einfache, aber sehr typische Beispiele:

– Wir haben gelernt, daß Messer normalerweise scharf sind. Also gehen wir sehr behutsam und vorsichtig mit ihnen um.

– Wir wurden vor den Gefahren des Feuers gewarnt. Also verhalten wir uns dementsprechend.

– Wir wissen, dass wir beim Überqueren einer Straße nicht einfach loslaufen dürfen, sondern zunächst auf den Verkehr zu achten haben. Also gehen wir erst dann weiter, nachdem wir zuvor nach links und nach rechts geschaut haben.

Das heisst: Indem wir uns der Erfahrungen und Wahrnehmungen des Eltern-Ichs bedienen, sparen wir viel Zeit, viel körperliche und geistige Energie. Wir tun bestimmte Dinge so, wie man es uns beigebracht hat. Uns wurde gesagt: Man tut dies oder jenes so und nicht anders. Und wir richten uns auch im späteren Leben danach.

Einerseits sind die Erfahrungen des Eltern-Ichs für uns also von lebenswichtiger Bedeutung, weil sie uns vor gefährlichem oder fahrlässigem Verhalten bewahren.

Andererseits aber hat das Eltern-Ich natürlich auch seine Schattenseiten: Denn wir haben als Kleinkind die Lebensregeln, die uns unsere Eltern mit auf den Weg gegeben haben, nicht auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Zweckmäßigkeit hin überprüft. Viele dieser Regeln, Gebote und Verbote, gleichgültig, ob sie gut oder schlecht, wahr oder unwahr sind, wurden von uns ungeprüft als Wahrheiten gespeichert- Oft gar als ewige Wahrheiten.

Ein einfaches Beispiel soll uns dies verdeutlichen:

Als eine Jungverheiratete Frau einen gebackenen Schinken zum Mittagessen servierte, hatte sie zuvor die beiden Enden abgeschnitten. Auf die erstaunte Frage ihres Mannes, der sich diese Vorgehensweise nicht erklären konnte, antwortete die Frau: “Das macht man eben so. Bei einem gebackenen Schinken werden die Enden immer abgeschnitten. Das hat auch meine Mutter immer so gemacht.”

Als kurz darauf besagte Schwiegermutter zu Besuch kam, fragte der Mann sie, aus welchem Grund man bei einem Schinken die durchaus genießbaren Enden denn nun abschneide. Die Antwort der Schwiegermutter: “Meine Mutter hat es immer so gemacht. Also muß es seine Richtigkeit haben. Sie hatte schließlich Erfahrung in solchen Dingen.”

Schließlich ergab sich auch die Gelegenheit, die Großmutter wegen des gebackenen Schinkens zu fragen. “Ich musste die Enden immer abschneiden”, erklärte sie, “weil der Schinken sonst nicht in die Pfanne gepasst hätte.”

Das heißt: Die Vorgehensweise, die ursprünglich durchaus ihren Sinn gehabt hatte, war von der Mutter und später von ihrer Tochter ungeprüft übernommen worden. Und dies, obwohl das Abschneiden der Schinkenenden längst seinen Sinn verloren hatte. Die Verhaltensweise der jungen Frau, die aus ihrem Eltern-Ich stammte, war längst nicht mehr angemessen und zweckmäßig.

Wir müssen uns klarmachen: Die meisten Menschen haben in vielen Bereichen des Lebens vorgefertigte Meinungen. Gleichgültig, ob es sich um wichtige Punkte wie Weltanschauung, Religion oder Liebe handelt, oder um scheinbar nebensächliche Aspekte wie Sport, Urlaub oder Mode.

Einige Beispiele für solche vorgefertigten Ansichten, die zumeist ungeprüft übernommen werden:

– “Kleider machen Leute!”

– “Geld regiert die Welt!”

– “Müßiggang ist aller Laster Anfang!”

– “Gehe nie mit einem fremden Mann aus!”

– “Traue keinem Kommunisten!”

– “Glaube nicht an das, was der Pfarrer sagt!”

Bei diesen Lebensregeln und Ratschlägen ist allerdings eine wichtige Unterscheidung zu treffen: Es kann sich entweder um einen gutgemeinten, einen fürsorglichen Ratschlag handeln, oder um eine Ansicht, die rechthaberisch und besserwisserisch vorgetragen wird.

Dementsprechend haben wir zwischen

  1. a) dem fürsorglichen, stützenden Eltern-Ich und
  2. b) dem rechthaberischen, kritischen Eltern-Ich

zu unterscheiden.

Für beide Fälle wollen wir ein kleines Beispiel geben.

Fürsorgliches, stützendes Eltern-Ich:

Eine Verkäuferin bietet der Kundin einen Stuhl an. Sie sagt: “Während wir Ihnen Ihre Sachen einpacken, können Sie sich ruhig einen Moment lang hinsetzen und ein wenig ausruhen.”

Rechthaberisches, kritisches Eltern-Ich:

In dem gleichen Geschäft sagt eine andere Verkäuferin zu einer anderen Kundin: “Nein, das geht wirklich nicht. Ohne den Kassenzettel tauschen wir grundsätzlich keine Ware um. Da könnte ja jeder kommen, der etwas loswerden wollte.”

Machen Sie sich klar:

Die meisten Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen Menschen rühren daher, daß sich einer der Betroffenen auf die Erfahrungen des rechthaberischen Eltern-Ichs beruft Dass er danach handelt und auf dieser Meinung beharrt

Ihr Ziel muss es folglich sein, solche unnötigen Konflikte zu vermeiden. Es bietet sich eine denkbar einfache Lösung an. Sie überprüfen Ihre Meinungen und Ansichten, indem Sie die entscheidende Frage stellen:

Ist diese Sicht der Dinge noch angemessen? Entspricht sie der Wirklichkeit?

Diese wichtige Regel sollten Sie im Umgang mit Ihren Mitmenschen stets beherzigen. Sagen Sie nicht einfach:

“Das ist ganz unmöglich!” “Das tut man nicht!” “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!” “Man isst seinen Teller leer!”

Sondern fragen Sie statt dessen:

“Ist diese Ansicht noch zeitgemäss?”

“Entspricht diese Meinung meinen eigenen Erfahrungen?”

“Ist diese Regel in dieser Situation auch tatsächlich angemessen?”

Auf diese Weise vermeiden Sie es, unnötige Auseinandersetzungen durch rechthaberisches Verhalten hervorzurufen.

Das stützende Eltern-Ich

Sie müssen sich einer Tatsache bewusst sein: Sie können zwar die Erfahrungen und Wahrnehmungen, die in Ihrem Eltern-Ich gespeichert und gesammelt sind, nicht einfach löschen. Aber Sie können den Ablauf der Dinge, der Ihnen zuvor nicht bewusst war, nunmehr kontrollieren und steuern.

Erfahrungen, die ein Mensch in seiner frühen Kindheit gemacht hat, prägen sein weiteres Leben sehr entscheidend. Wurde ein Mensch in früher Kindheit dazu ermutigt, eigene, selbständige Entscheidungen zu treffen, so wird er diese Fähigkeit später auch in seinem Beruf und seinem Privatleben erfolgreich umsetzen können.

Wurde ein Mensch dagegen sehr streng erzogen, gab man ihm oft lautstark Befehle, war es ihm untersagt, Fragen zu stellen und eigene Ansichten und Einschätzungen zu äußern, so wird sich dies auch auf sein späteres Leben negativ auswirken. Er wird Schwierigkeiten damit haben, überkommene Gebote und Vorschriften auf ihre heutige Zweckmäßigkeit hin zu überprüfen. Er wird Schwierigkeiten haben, sich eine eigene Meinung zu bilden. Und: Er wird statt dessen lieber an althergebrachten Regeln festhalten, die längst jeden Sinn und Zeitbezug verloren haben.

Wird das Verhalten eines Menschen von seinem Eltern-Ich dominiert, so heißt das: Er reagiert als Erwachsener so, wie er es in seiner Kindheit an seinen Eltern oder nahen Verwandten beobachtet hat. Diese frühen Wahrnehmungen, die in seinem Gedächtnis gespeichert sind, steuern sein Verhalten praktisch automatisch. Er benutzt die gleichen Gesten, nimmt die gleiche Haltung ein und spricht die gleichen Worte, die er in seiner Kindheit bei seinen Eltern wahrgenommen hat.

Das kritische Eltern-Ich

Jeder Mensch hat im inneren, in seinem Gedächtnis noch immer das Bild seiner Eltern vor Augen. Er trägt dieses Bild noch immer in sich. Es ist ein Bestandteil seines Wesens.

Aber: Sie können sich von diesen automatischen, diesen ungeprüft übernommenen Verhaltensweisen befreien, indem Sie sich immer wieder die Frage stellen: Ist meine Ansicht, meine Meinung noch angemessen? Passt sie noch in die heutige Zeit?

Dabei sind das Weinen wie das Schreien Gefühlsäußerungen, die dem Kindheits­ich entspringen.

Das Erwachsenen-Ich aber überprüft ihre Angemessenheit in der entsprechenden Situation und entscheidet, daß das Weinen, nicht aber das Schreien, eine angebrachte Gefühlsäußerung ist.

Und noch ein dritter wichtiger Aspekt kommt hinzu: Aufgabe des Erwachsenen-Ichs ist es auch, die Wahrscheinlichkeit bestimmter Ereignisse oder Reaktionen abzuschätzen. Das heisst: Das Erwachsenen-Ich stellt Vermutungen über mögliche Vorkommnisse und Begebenheiten an. Es beurteilt, wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich solche Entwicklungen sind.

Die Fähigkeit der Wahrscheinlichkeitsabschätzung ist jedem Menschen in unterschiedlichem Maße gegeben. Aber: Sie können diese Fertigkeit weiterentwickeln, Sie können sie durch bewusstes Üben verbessern.

Nachdem Sie auf diese Weise die drei kennzeichnenden Elemente der menschlichen Persönlichkeit kennengelernt haben, nachdem Sie um das Erwachsenen-Ich, das Eltern-Ich und das Kindheits-ich wissen, muss es Ihr Ziel sein: Einschätzen zu können, wann in Ihren Mitmenschen welches Ich zum Tragen kommt. Wann bei Ihrem Gesprächspartner welches Ich dominiert.

Wenn Sie diese Fähigkeit besitzen, wenn Sie dazu in der Lage sind, Ihre Mitmenschen auf diese Art und Weise einzuschätzen, wird dies von großem Nutzen für Sie sein.

Und: Es ist tatsächlich gar nicht so schwer, im Verhalten eines Menschen das jeweils gerade dominierende Ich zu erkennen. Denn jedes der drei Persönlichkeitselemente hat bestimmte charakteristische Ausdrucksformen, nach denen es zweifelsfrei bestimmt werden kann.

Zusammenfassung aller “Ichs”

Eltern-Ich – Kritisches Eltern-Ich Stützendes Eltern-Ich

Erwachsenen-Ich – Erwachsenen-Ich

Kindheits-ich – Natürliches Kindheits-ich Angepasstes Kindheits-ich

Im folgenden geben wir Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Ich-Formen. Es sind zu unterscheiden.

Das kritische Eltern-Ich

Für diesen Grundtyp sind Bewertungen, moralische Einschätzungen, Zurechtweisungen, Kritik und Befehle charakteristisch. Ein Mensch, bei dem das kritische Eltern-Ich dominiert, wird versuchen, Herrschaft über andere auszuüben, er bestraft, kontrolliert, sorgt für Ordnung. Er kann sich zu einem regelrechten Tyrannen entwickeln.

Kennzeichnend für seine Körpersprache sind der erhobene Zeigefinger, zusammengezogene Augenbrauen, ein furchteinflößender Blick, Kopfschütteln, Naserümpfen und andere Gesten, die seine Verachtung für andere Menschen zum Ausdruck bringen. Wird das kritische Eltern-Ich eines Menschen wirksam, so verwendet er häufig Worte wie “müssen”, “immer”, “nie” oder “nein”.

Das stützende Eltern-Ich

Dieser Grundtyp zeichnet sich durch ein um Verständnis und Zuwendung bemühtes Wesen aus. Aufmerksames Zuhören, Lob, Trost, Hilfe und Unterstützung sind charakteristische Ausdrucksformen.

Ein Mensch, der vom stützenden Eltern-Ich geprägt ist, wird mit einer warmen, beruhigenden Stimme sprechen, er wird durch liebevolle und einfühlsame Gesten sowie durch aufmunternde Worte zeigen, dass er seinem Gegenüber Verständnis und Zuwendung entgegenbringt.

Das Erwachsenen-Ich

Dieser Ich-Typus zeichnet sich durch Nüchternheit, Objektivität und Rationalität aus. Gefühle und Leidenschaften sind ihm fremd. Dagegen ist ein vom Erwachsenen-Ich dominierter Mensch ein genauer, objektiver Beobachter, ein Fachmann, der Informationen und Fakten sammelt, sie logisch verarbeitet und aus der Summe dieser Erkenntnisse die richtigen Schlüsse zieht.

Seine betont sachliche und leidenschaftslose Art kommt auch in seiner klaren, sachlichen Stimme zum Ausdruck. Charakteristisch ist weiterhin, dass ein solcherart geprägter Mensch praktisch ohne jede Mimik und Gestik auskommt. Er wird häufig Worte wie “wer”, “was”, “wann”, “wo”, “wie” oder “wieviel” gebrauchen, Fragewörter, die ihm bei der Sammlung und Auswertung von Informationen sehr nützlich sind.

Das natürliche Kindheits-ich

Für diesen Grund Typ sind ausgesprochen kindliche Ausdrucksformen charakteristisch. Freude und Ärger, Lachen und Weinen, Spieltrieb und Erfindungsgeist werden ebenso offen gezeigt, wie die Lusst zu faulenzen.

Die Schattenseiten dieser Natürlichkeit und Spontaneität sind eine starke Ichbezogenheit, Hemmungslosigkeit und mangelnde Rücksichtnahme auf die Mitmenschen.

Freudenschreie und der häufige Gebrauch von Worten wie “irrsinnig” oder “toll” lassen auf einen vom natürlichen Kindheits-ich geprägten Menschen schließen.

Das angepasste Kindheits-ich

Menschen dieses Typs erkennt man an ihrem Gehorsam, ihrer Folgsamkeit und Höflichkeit. Sie sind zögerlich, zurückhaltend und ängstlich, zeigen Unsicherheit und Schuldgefühle. Von dieser Ich-Form dominierte Menschen bilden sich keine eigene Meinung, sie werden kaum die Initiative ergreifen und von sich aus etwas unternehmen und bewegen. Ganz im Gegenteil: Zumeist richten sie sich nach der Meinung und dem Verhalten ihrer Mitmenschen.

„Was du auch tust,
tue es weder gegen deinen Willen
noch ohne Menschlichkeit
noch ohne vernünftige Überlegung.“
Mark Aurel

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